DÉDALES – WÜRFEL UM DEIN LEBEN
(Belgien, Frankreich, 2003, Regie: René Manzor)
Claude, eine junge Frau, zieht eine blutige Spur durch Paris, bis man sie stellt. Was stimmt nicht mit der Frau, die sich an ihre blutigen Taten nicht erinnern kann? Dr. Karl Freud, Leiter einer Hochsicherheitsanstalt, will zusammen mit dem Psychiater Dr. Brennac in die Psyche von Claude eindringen, um Erklärungen für ihr Verhalten zu finden.
René Manzor hat mit DÉDALES ein sehr düsteres Psycho-Thriller-Drama geschaffen, was dem Zuschauer keine Minute zum durchatmen lässt. Nicht, dass dieser Film rasend schnell inszeniert worden wäre, dafür ist er zu dialogreich, aber die Sogwirkung greift von der ersten Minute an und zieht einen in die kranke Psyche von Claude, dargestellt von Sylvie Testud, die wirklich eine exzellente Wahl ist. Ihr Schauspiel macht richtig Spaß. Aber auch Lambert Wilson, Frédéric Diefenthal, Michel Duchaussoy und Tomer Sisley sind hier hervorragend aufgehoben, um durch die finsteren Welten einer gequälten Seele zu wandern.
Das Thema der dissoziativen Identitätsstörung mag für 2003 nicht gerade neu sein und wurde im gleichen Jahr, aus dem gleichen Land mit HIGH TENSION ebenfalls aufgegriffen. Aber DÉDALES nennt das Kind beim Namen, arbeitet mit dem Thema und lässt dem Zuschauer trotzdem noch Raum zur Interpretation. René Manzor, der hier sowohl für die Story als auch das Drehbuch verantwortlich war, hat sich schon mit REISE IN DIE UNENDLICHKEIT (1986) auf bizarre Pfade begeben und mit seinem Pre-KEVIN ALLEIN ZU HAUSE-Kind-gegen-Weihnachtsmann-Action-Thriller DEADLY GAMES (1989) ein wahres Feuerwerk der Unterhaltung entfacht. Danach folgten Regiearbeiten für Serien wie HITCHHIKER, HIGHLANDER oder DIE ABENTEUER DES JUNGEN INDIANA JONES, bevor er sich mit DÉDALES wieder seinen Themen widmete. Aber nicht nur inhaltlich liefert Manzor Spannung und Abgründe, sondern auch visuell, was schon bei seinen beiden anderen erwähnten Filmen positiv aufgefallen ist. Karge Großstadt-Bilder, verregnete Straßen und triste Farben begegnen einem auf diesem düsteren Seelentrip zwischen Psycho-Drama und Serienmörder-Thriller, der einen bis ins Labyrinth des Minotaurus der griechischen Mythologie führt. Im Übrigen ein Thema, was Stephen King in seinem Roman DAS BILD (ROSE MADDER, 1995) ebenfalls aufgegriffen hat. Nebenbei kam mir auch DEAD ZONE in den Sinn, denn ein Art Johnny Smith ist auch hier zugegen, der zudem auch noch hervorragende Gemälde malt.
DÉDALES – WÜRFEL UM DEIN LEBEN ist ein geschickt erzählter, stark besetzter Psycho-Thriller, der nicht ins Wanken gerät.
(Bjoern Candidus)