WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA?
(TASTE THE BLOOD OF DRACULA, GB, 1970, Regie: Peter Sasdy)
Nachdem Freddie Francis den vierten Teil der Hammer-Studios inszenierte, wanderte das Regiezepter für den fünften Beitrag an Peter Sasdy (COMTESSE DES GRAUENS, 1971), der hier seinen ersten Film für das Studio inszenierte.
Auch hier lässt sich kaum etwas Negatives über die Form sagen. Die Fotografie ist gut, die Ausstattung stimmt, die Sets, wie der Friedhof, die verwahrloste Kirche und das Bordell sorgen für Atmosphäre. Der Style von DRACULAS RÜCKKEHR (1968) wird anfänglich gut herübergerettet und dann leicht modernisiert. Auch James Bernard lässt seine vertrauten Klänge aufschreien. Schon die Eröffnungsszene, die direkt zum Ende des Vorgängers führt und so beide Teile verbindet, ist spannend inszeniert. Anfänglich ist man hier noch in Carlsberg, doch nach dem Tod von Dracula gerät sein getrocknetes Blut nach England, wo es in die Hände eines jungen Lords gerät. Dieser animiert drei feine Herren zu einer Schwarzen Messe, um Graf Dracula wieder auferstehen zu lassen. Doch bei der Aktion kommt es zu Schwierigkeiten und der Lord wird im Affekt von den Männern getötet. Während die Männer das Weite suchen, befindet sich Dracula auf den Weg zurück in die Welt der Lebenden. Und wenn Christopher Lee mit schwarzrotem Cape wieder aufersteht, scheint die Welt des Fans kurz in Ordnung zu sein. Kurz. War schon Draculas Rache-Geschichte in DRACULAS RÜCKKEHR etwas fragwürdig, ist sie hier komplett absurd. Dracula will sich für den Tod seines Dieners Lord Courtley rächen, dem er nie begegnet ist (Mutmaßung). Dracula sucht also drei Männer auf, um sich an ihnen zu rächen. Aber der Weg geht natürlich über ihre Töchter. Das bringt eine neue Liebesgeschichte mit, die sich diesmal zwischen Paul (Anthony Higgins) und Alice (Linda Hayden) abspielt. Die drei Biedermänner, die stets unter Ausschluss der Öffentlichkeit auf den Putz hauen, werden von Geoffrey Keen, Peter Sallis und John Carson dargestellt, während Ralph Bates in die Rolle von Lord Courtley schlüpft. Die Besetzung stimmt, doch die Story will einfach nicht zünden. Stattdessen braucht man erst mal 45 Minuten, um Dracula zu zeigen, was in BLUT FÜR DRACULA noch funktioniert hat. Dann erlebt man einen ziemlich gelangweilt Christopher Lee als Dracula, der überall mal auftaucht, den ein oder anderen Tropfen Blut zu sich nimmt und seinem Racheplan folgt. Das Ganze gipfelt dann in einem Finale, in dem sich Dracula nicht gerade mit Ruhm bekleckert.
WIE SCHMECKT DAS BLUT VON DRACULA? bietet mehr Erotik und mehr Gewalt als seine Vorgänger, schwächelt aber nach einer starken Eröffnungsszene und lässt Lee als Dracula fast verkommen. Visuell kann sich die Inszenierung dennoch sehen lassen.
(Bjoern Candidus)