MONDO CANNIBALE 2 – DER VOGELMENSCH
(ULTIMO MONDO CANNIBALE, Italien, 1977, Regie: Ruggero Deodato)
Die Ölsucher Robert und Ralph, der Pilot Charlie und seine Begleiterin Swan legen mit ihrem Flugzeug einen Zwischenstop beim Basislager im Dschungel von Manila ein. Doch das Lager ist verlassen und scheint überfallen worden zu sein. Da bei der Landung ein Rad zu Schaden kommt und die Reparatur bis in die Nacht dauert, müssen sie im Flugzeug übernachten. Während dieser Nacht wird Swan von Eingeborenen entführt und anschließend getötet. Für die Männer bricht ein Alptraum los, in dem Robert in die Hände eines Kannibalen-Stammes gerät.
Ruggero Deodato, der drei Jahre später mit CANNIBAL HOLOCAUST auf wunderschöne und gleichzeitig abstoßende Art und Weise dem Kannibalenfilm auf ein neues Level hob, lässt hier schon sein Geschick für diese Art von Kino durchblicken. Während spätere Filme wie LEBENDIG GEFRESSEN (1980) oder DIE RACHE DER KANNIBALEN (1981) von Umberto Lenzi vor allem auf Grausamkeiten setzten, scheint hier noch der Charakter des Abenteuer-Kinos durch, den man in Lenzis MONDO CANNIBALE (1972) erkennen konnte, der mit diesem Film den Grundstein des (europäischen) Kannibalenfilms legte. Aber hier sind wir bei Ruggero Deodato, der mit fähigen Leuten einen packenden Kannibalen-Abenteuerfilm gezimmert hat, der alles auffährt, was man in dieser Zunft erwartet, das Positive wie das Negative.
Direkt sticht einem die schöne Natur ins Auge, die von Marcello Masciocchi beeindruckend fotografiert wurde. Ob in der Luft, im Wald oder in Höhlen: die Kamera serviert mitreißende Bilder. In einigen Momenten baut Deodato regelrecht Spannung auf, die mit dem Score von Ubaldo Continiello passend unterstützt wird. Es gibt einige richtig packende Momente, wie z.B. die Erkundung von Roberts Penis durch eine Horde neugieriger Kannibalen. Massimo Foschi kann man hier in der Rolle von Robert nicht gerade beneiden, denn die Hälfte des Film läuft er nackt herum und verliert immer mehr den Verstand. Das macht Foschi allerdings sehr eindrücklich. Immer gerne gesehen ist auch Ivan Rassimov, den man hier mit Bart, Brille und Lockenkopf fast übersehen kann. Er übernimmt den Part von Ralph, der etwas kürzer geraten ist. Um das leidige Thema „Tiersnuff“ macht auch dieser Film keinen Bogen. Auch in dem Punkt liefern spätere Beiträge des Kannibalenfilms heftigere Momente, aber jede Sekunde einer unnötigen Tötung ist eine zu viel.
Aber Deodato denkt auch an gestellte Grausamkeiten und überzeugt z.B. mit einer Kannibalen-Mutter, die gerade entbunden hat und die Nabelschnur zu ihrem Kind persönlich durchbeißt. Enthauptungen und Fress-Szenen gehören ebenfalls zum Programm.
MONDO CANNIBALE 2 – DER VOGELMENSCH ist ein atmosphärisches, spannend inszeniertes Dschungel-Kannibalen-Abenteuer mit allen nötigen und unnötigen Zutaten.
(Bjoern Candidus)