MAN-EATER
(ANTHROPOPHAGUS, Italien, 1980, Regie: Joe D‘Amato)
Eine Gruppe junger Leute will Urlaub auf einer griechischen Insel machen. Als die Urlauber ankommen, stellen sie fest, dass die Insel scheinbar unbewohnt ist. Doch dann stoßen sie auf eine verängstigte Frau, die sich vor etwas versteckt. Genauer vor ihm, dem Menschenfresser Nikos Karamanlis (bzw. in der Originalfassung Klaus Wortmann).
Wie SADO – STOSS DAS TOR ZUR HÖLLE AUF (1979), EIN ZOMBIE HING AM GLOCKENSEIL (1980), CANNIBAL HOLOCAUST (1980) oder DER NEW YORK RIPPER (1982), gehört auch MAN-EATER zu den berühmt berüchtigten Horrorfilmen aus Italien, die es in Deutschland besonders schwer hatten, nachdem der Beschlagnahmungs-Kreuzzug der Sittenwächter Einzug erhielt. Das ist lange her und diesbezüglich hat heutzutage ein Umdenken stattgefunden. George Eastman darf jetzt ganz legal den Fötus aus einer Frau herausreißen und genüßlich zubeißen, bevor er sich am Ende (ACHTUNG SPOILER!!!) selbst verzehrt. Neben ein paar weniger eindringlichen Gore-Effekten, sind dies auch die einzigen Highlights, die der Film in Sachen Gewalt zu bieten hat.
Regisseur Aristide Massaccesi alias Joe D‘Amato hat (zusammen mit Donatella Donati) für diesen Film seine eigene Produktionsfirma, Filmirage, gegründet. Diese produzierte in den folgenden Jahren einige mehr oder weniger gute Filme von D‘Amato selbst oder anderen Regisseuren. Und so war MAN-EATER als Startschuss gleich ein Schlag in die Fresse des Publikums. Das Hauptproblem von D‘Amatos Kannibalenfilm sind die quälend langweiligen, schlecht inszenierten ersten 30 Minuten. Die Fotografie von Enrico Biribicchi lässt zu wünschen übrig. Als Kameramann, der D‘Amato schließlich auch war, hätte er hier besser selbst einspringen sollen. Man muss der Produktion natürlich das schmale Budget und die geringen Mittel zu gute heißen. Immerhin wird es handwerklich mit betreten der Insel in allen Bereichen besser, und spätestens, wenn die alte Villa untersucht wird, die von außen schon eine unheimliche Ausstrahlung hat, wird MAN-EATER zu einem beklemmenden Insel-Horrorfilm, der auf ganz eigene Art auf der Kannibalenfilm-Welle reitet.
Neben den überschaubaren, aber drastischen Gore-Szenen, kann D‘Amatos Inszenierung durch eine sehr dichte Atmosphäre überzeugen. Die heruntergekommene Villa, in der sich der Menschenfresser eingenistet hat, ist wirklich eindringlich in Szene gesetzt. Staub liegt in der Luft, ein schummriges Licht zieht sich durch die vergammelten Räume, und wenn George Eastman als Nikos Karamanlis aufmarschiert, ist Terror vorprogrammiert. Während alle anderen Darsteller, samt Tisa Farrow, ziemlich fade bleiben und kaum zum mitfiebern anregen, gleicht sich das durch Eastman wieder aus. Luigi Montefiori alias George Eastman, der auch das Drehbuch schrieb und mit produzierte, überzeugt mit seinem widerlichem Make-up und seiner imposanten Körpergröße (2,06 m).
Etwas zwiespältig ist der Score von Marcello Giombini, der anfänglich sehr nervt, aber ebenfalls mit Betreten der Insel an Klasse gewinnt.
Hat man das langweilige Geplänkel der öden Figuren hinter sich gelassen, darf man sich bei MAN-EATER auf einen atmosphärischen, blutigen Horrorfilm freuen, der vor allem durch seinen Antagonist und sein Setting überzeugt.
(Bjoern Candidus)