GRIZZLY
(USA, 1976, Regie: William Gridler)
In einem Nationalpark in den USA treibt sich ein riesiger Grizzlybär herum, der es auf Camper und Rucksacktouristen abgesehen hat. Das ruft Ranger Kelly auf den Plan, der gemeinsam mit einem Trupp Männer Jagd auf den Bären macht.
Nachdem Steven Spielberg 1975 den Weißen Hai zum Monster der Meere machte, versuchte William Gridler Ähnliches mit einem Bären. Leider schafft es Gridler kaum Spannung zu erzeugen, um mich hier bei Laune halten zu können. Visuell ist GRIZZLY hingegen eine Augenweide, vorausgesetzt, man steht auf Wälder und Berge. Für die wunderschöne Naturkulisse von Clayton, Georgia kann Gridler natürlich nichts, aber sein Kameramann William L. Asman hat ganz gute Arbeit geleistet. Doch die Kulisse allein reicht natürlich nicht aus, um den Tierhorror-Freund zu begeistern. Der Grizzly ist lange Zeit nur fragmentarisch zu sehen, oder man darf aus seiner Ego-Perspektive blicken, was die Inszenierung auch nicht spannender macht. Erst im letzten Drittel darf man einen echten Grizzly bewundern, der hin und wieder durch einen Darsteller im Bärenkostüm gedoubelt wird. Kommt es dann Attacken gegen Menschen, sind die nur wenig effektiv inszeniert, lassen aber zumindest abgerissene Körperteile wegfliegen und Blut spritzen. Im Gewaltbereich ist GRIZZLY recht ruppig, und es darf sogar ein kleiner Junge und seine Mutter sterben. Doch zwischen den Angriffen liegen immer viele Minuten gefüllt mit dem Geschwätz von Christopher George als Ranger Kelly und seinem Anhang, die natürlich alle die geballte Männlichkeit in Person sind. Da ist an sich gar nichts gegen einzuwenden, aber irgendwann nervt es einfach, und an das Niveau von DER WEISSE HAI sei hier ohnehin nicht zu denken. Es mangelt an Spannung, und Atmosphäre kommt letztlich nur durch die von Mutter Natur geschaffene Landschaft auf.
Trotz Schwächen und Längen ist GRIZZLY gut guckbar, vor allem für Tierhorror-Freunde, die Wert auf das Setting legen. Ein bisschen besser hat es Gridler ein Jahr später mit TIERTERROR IN DER SIERRA NOVA gemacht.
(Bjoern Candidus)