HARLEY RIDERS – SIE KANNTEN KEIN ERBARMEN
(L‘AMBIZIOSO, Italien, 1975,
Regie: Pasquale Squitieri)
In Neapel arbeitet Aldo als Zigarettenschmuggler für Don Enrico. Doch Aldo träumt davon, selbst an der Spitze der Macht zu stehen und beschließt seinen eigenen Weg zu gehen. Als er Don Enrico hintergeht, schlagen ihn seine Männer zusammen. Er muss Neapel verlassen. Da kommt ihm Luciana gerade Recht. Die junge Frau nimmt Aldo mit nach Rom, wo er erneut auf die schiefe Bahn gerät und nicht von seiner Idee abkommt, alle Macht an sich zu reißen.
Pasquale Squitieris Gangster-Thriller startet direkt mit einem großen Zigarettenschmuggel am Hafen von Neapel, bei dem man Warhol-Muse Joe Dallesandro als Aldo kennenlernt. Dieser wird alsbald feststellen, dass man sich nicht gegen die Mafia stellen sollte, wenn man ein gesunder Mann bleiben möchte. Doch Aldo ist nicht lernfähig und zieht seinen Plan durch, mit aller Gewalt aufzusteigen. Dallesandro glänzt immer, wahrlich nicht wegen schauspielerischer Höchstleistungen, sondern wegen seinem Charisma. Es ist beeindruckend, wenn sich dieser schöne Mann in einem Moment noch ein Lächeln aufsetzt und sich im nächsten in eine aggressive Bestie verwandelt. Erst liebt er eine Frau, dann sticht er einen Mann mit einem Messer ab. Als Gangster-Dandy, der immer mehr die Karriereleiter herauf steigt, beherrscht Dallesandro hier jede Filmminute und sorgt als Schutzgelderpresser von Restaurants und Nachtclubs für Angst und Schrecken.
HARLEY RIDERS ist ein sehr ausgeglichener Film mit einem guten Pacing. Zwischen vielen Dialogen mit einer Menge scheußlichen Typen, denen gegenüber Dallesandro stets wie ein Gott erscheint, gibt es auch sehr viel Action- und Gewalt-Momente, die recht grob sind. Schießereien, Motorrad-Action und den fast schon obligatorischen Steinbruch darf man hier erwarten. Aber besonders die nächtliche Atmosphäre in den Bars und Clubs ist sehr dicht und farblich ausgesprochen hübsch arrangiert. Form und Inhalt geben sich die Hand, und das in einem Film in dem Joe Dallesandro die Hauptrolle spielt. Dallesandros Herzblatt ist Luciana, die von Stefania Casini dargestellt wird. Dass sich ihre Begegnung mit Aldo nicht positiv auf ihr Leben auswirkt, sollte klar sein. Es kommt sogar knüppelhart für sie.
HARLEY RIDERS sieht nicht nur gut aus, er klingt auch gut. Der abwechslungsreiche Score von Franco Campanino ist mal rockig, mal funkig, mal schwülstig bis melancholisch.
HARLEY RIDERS – SIE KANNTEN KEIN ERBARMEN ist ein packender Film über einen Mann, der über Leichen geht, um an die Spitze zu gelangen und sich damit zunehmend selbst zerstört. Auch wenn letztlich nichts Neues erzählt wird, konnte mich Squitieri inhaltlich mitnehmen, aber noch mehr mit Dallesandro beglücken. Für Mafia- / Gangsterfilm-Fans durchaus interessant, für Dallesandro-Fans unverzichtbar.
(Bjoern Candidus)