PLAY MOTEL
(Italien, 1979, Regie: Mario Gariazzo)
In einem Motel werden Kunden mit besonderen sexuellen Wünschen von Damen bedient. Doch die Männer ahnen zu diesem Zeitpunkt nicht, dass man von ihren Sex-Sessions Fotos macht, mit denen eine Organisation die gutbetuchten Männer erpresst. Als es zu einem Mord kommt und sich einer der Erpressten an die Polizei wendet, schickt diese ein verdecktes Ermittlerpärchen in das Motel, um herauszufinden, was dort vorgeht.
Mario Gariazzos Sex-Giallo PLAY MOTEL ist leider nicht das Gelbe vom Ei. Und wo wir schon bei Eiern sind: Mario Landis Sex-Brutalo-Giallo GIALLO A VENEZIA aus dem gleichen Jahr, ist um ein vielfaches unterhaltsamer. Dort wird man neben Schlüpfrigkeiten nämlich mit viehischer Gewalt konfrontiert, die hier fehlt. Das wäre absolut kein Problem, wenn nicht auch alles andere fehlen würde, was einen Giallo ausmacht. Spannung sucht man vergeblich, ebenso die Schönheit und Eleganz vieler Produktionen, die über die simpelsten Geschichten hinwegtäuschen können. Es gibt keinen giallotypischen Phantomkiller und schon gar keine anschaulichen Schauplätze. Sprich: alles ist sterbenslangweilig. Selbst die beiden Italo-Legenden Anthony Steffen und Ray Lovelock können hier nicht gegensteuern. Lovelock wirkt als verdeckter Ermittler irgendwie lustlos, während Steffen als Inspektor De Sanctis aussieht, als wäre er bereits tot. Dabei ist die Idee von einem Sex-Motel für Fetisch- und SM-Praktiken, in denen die Kunden anschließend mit Fotobeweisen erpresst werden, gar nicht dumm. Doch statt wenigstens vernünftige Sex-Szenen einzubauen, wird es ziemlich albern, wenn die Freier mit billigen Priester- oder Teufelskostümen aufmarschieren und über die Damen rutschen. In der Softcore-Fassung wird gefummelt, geleckt oder mit einer Goldkette an der Vagina herumgespielt. Was die Hardcorefassung im Gegensatz dazu bereithält, kann ich nicht sagen, sie wird aber kaum die Qualität liefern, die in der anderen Fassung fehlt. Ansonsten gibt es immer wieder langweilige Foto-Sessions, öde Dialoge zwischen blassen Darstellern, die in schnöden Sets lustlos inszeniert werden. Lediglich Kameramann Aldo Greci liefert den ein oder anderen guten Moment, und der Score von Ubaldo Continiello, der etwas nach Goblin klingt, ist auch ganz okay.
PLAY MOTEL ist Schmierkino der langweiligsten Sorte, was mich leider gar nicht entzücken konnte.
(Bjoern Candidus)