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Satan’s Brew, 1976 – ★★★★½

SATANSBRATEN
(Deutschland, 1976, Regie: Rainer Werner Fassbinder)

Der Schriftsteller Walter Kranz ist in einer Krise und bringt kein Wort mehr zu Papier. Das führt dazu, dass ihm, seiner Frau Luise und seinem geistig behinderten Bruder Ernst langsam das Geld ausgeht. Er schlittert in eine Identitätskrise und glaubt plötzlich der Schriftsteller Stefan George zu sein, der mit seinen rechten Tendenzen seine Umwelt tyrannisiert. 

Wer mal wieder bereit ist für die nächste filmische Grenzerfahrung, dem sei Rainer Werner Fassbinders Komödie SATANSBRATEN wärmstens empfohlen. 

Schon von der ersten Szene an lässt Fassbinder Kurt Raab als Walter Kranz von der Leine, der einen erbärmlichen Auftritt im Verlagshaus aufführt, was ihm kein Geld mehr vorstreckt, weil er seit zwei Jahren nichts mehr abliefert. Wenig später sucht er seine Geliebte auf und lässt sich von ihr während eines sexuellen Rollenspiels einen Check ausstellen und erschießt sie anschließend. Es folgt die Vorstellung seiner Frau Luise (Helen Vita) und seinem geistig behinderten Bruder Ernst (Volker Spengler), der tote Fliegen sammelt und sie am liebsten ficken möchte. Da das nur schwer möglich ist, begrapscht er ständig andere Frauen oder versucht ihnen direkt seinen Penis irgendwo reinzustecken. Dass sich Walter und Luise permanent mit Kraftausdrücken bekämpfen, scheint in dem vorhersehenden Chaos der Familie Kranz fast normal. Ebenso normal ist es, dass Walter immer wieder mit der Frau seines besten Freundes Rolf (Marquard Bohm) schläft, wenn der sein Okay gibt, und Rolf ist großzügig. Nicht weniger sonderbar verhält sich Ulli Lommel als Kommissar Lauf, der erst mal gemeinsam mit dem Tatverdächtigen ein Fußbad nimmt. Neben dem wunderbaren Kurt Raab, der mich immer begeistern kann, tauchen an allen Ecken die Gesichter aus Fassbinders Antiteater auf, und man darf sich z.B. auch auf Margit Carstensen, Ingrid Caven und Brigitte Mira freuen. 

Von Minute zu Minute verwandelt sich SATANSBRATEN immer mehr in einen Vesuv aus grotesken Ideen, wahnwitzigen Dialogen und einer hysterischen Atmosphäre, wie ich sie selten in einem Film gesehen habe, schon gar nicht in einer deutschen Produktion. Es sind vor allem die für Fassbinder wichtigen Themen Sex, Macht und Geld, die hier die oberste Rolle spielen und mit denen schließlich jeder etwas anfangen kann. Doch die Art und Weise, wie Fassbinder und seine hervorragenden Schauspieler an SATANSBRATEN herangegangen sind, bewegt sich so fernab von der Norm, dass es mir ein großes Vergnügen war, dem bizarren Trip beizuwohnen. Mit 112 Minuten meint es Fassbinder sehr gut, aber er kann diese auch ausfüllen, auch wenn meine Nerven irgendwann mal leicht gereizt wurden, denn einfach ist das Ganze wahrlich nicht.

SATANSBRATEN ist witzig, ehrlich, obszön, laut, hysterisch, grenzüberschreitend und einfach wunderbar. 

(Bjoern Candidus)

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