NIGHT RIPPER – DAS MONSTER VON FLORENZ
(IL MOSTRO DI FIRENZE
(Italien, 1986, Regie: Cesare Ferrario)
Seit 1968 ereignen sich im Umland von Florenz Morde an Liebespärchen, die in ihren Autos getötet werden. Wieder hat der Täter zugeschlagen und wieder tappen die Ermittler im Dunkeln. Der Autor Andreas Ackerman ist wie besessen von dem Fall und versucht sich in das Wesen des Killers zu versetzen, um Antworten auf seine Identität zu erhalten.
Ein Jahr bevor man den mutmaßlichen Killer Pietro Pacciani, der von der Presse als „Das Monster von Florenz“ betitelt wurde, festnahm, entstand diese erste filmische Auseinandersetzung mit dem Kriminalfall, der über Jahrzehnte für Angst und Schrecken in Florenz und Umgebung sorgte und bis heute nicht gänzlich geklärt wurde. Pietro Pacciani wurde im Jahre 1987 wegen körperlicher Gewalt an seiner Ehefrau und sexuellen Übergriffen an seinen beiden Töchtern verhaftet. Schließlich stellte man Zusammenhänge zwischen ihm und den Morden fest, die auch die Theorie einer Tätergruppe nicht ausschließen konnte. 1993 wurde er schließlich für 14 Morde verantwortlich gemacht und zu lebenslanger Haft verurteilt. Doch er ging in Berufung und kam im Jahre 1996 wieder auf freien Fuß, weil es erhebliche Zweifel an der Einzeltäter-Theorie gab. Der oberste Gerichtshof annullierte den Freispruch, doch Pacciani starb durch ungeklärte Umstände in seiner Wohnung. Noch heute geht man davon aus, dass der Täter möglicherweise auf Befehl gehandelt hat und das hinter den Morden eine Art System, bzw. Opferkult steckte. Nach seinem Tod hörte die Mordserie jedoch auf.
Regisseur Cesare Ferrario hat mit NIGHT RIPPER also äußerst voreilig reagiert, was aber gar nicht schlimm ist, da das Mysterium um „Das Monster von Florenz“ nie geklärt wurde und bis heute weiter aufrecht gehalten wird, wie jüngst von Sergio Sollimas Sohn Stefano Sollima als Miniserie.
NIGHT RIPPER ist ein extrem langsam inszenierte Film, der sich versucht realistisch bis pseudodokumentarisch zu verhalten, was soweit sogar aufgeht. Es gibt ein paar harte Szenen, in denen der Killer seine Opfer tötet, die Sollima 2025 kaum anders inszeniert hat. Es gibt ein paar Tatort-Szenen, in denen man auch kurz einen Gabriele Tinti als Reporter zu Gesicht bekommt. In erster Linie konzentriert sich Ferrario aber auf Leonard Mann als Autor Andreas Ackermann, der sich immer mehr in dem Fall verliert. Doch Ferrario verstrickt sich zu sehr in Geschwätzigkeit und dehnt sich oft an den falschen Stellen aus. Der saxophonlastige Score von Paolo Rustichelli sorgt zusätzlich dafür, die Augen schließen zu wollen. Trotz der Zähigkeit der Inszenierung wurde diese immerhin ordentlich fotografiert, und eine beklemmende Gesamtatmosphäre kann man NIGHT RIPPER auch nicht absprechen.
NIGHT RIPPER ist ein gutgemeinter True Crime-Krimi mit Giallo-Einschlag, der leider viel zu dröge inszeniert wurde.
(Bjoern Candidus)