DER MANN MIT DER NARBE
(HOLLOW TRIUMPH, USA, 1948, Regie: Paul Henreid, Steve Sekely)
Nachdem der Ganove John Muller aus dem Gefängnis entlassen wird, plant er bereits mit seinen Kollegen den nächsten Coup. Doch der Überfall auf ein von der Mafia betriebenes Spielkasino geht schief. Muller kann zwar fliehen, wird aber von der Mafia verfolgt. Wie es der Zufall will, begegnet er auf der Flucht einem Mann, der glaubt in Muller den Psychiater Dr. Bartok zu erkennen. Nur das wichtigste Merkmal fehlt: eine Narbe in seinem Gesicht. Muller nutzt die Info und schmiedet einen finsteren Plan, der das eine Problem auflöst, aber ein neues schafft.
Ursprünglich war Steve Sekely (BLUMEN DES SCHRECKENS, 1963) als Regisseur für DER MANN MIT DER NARBE vorgesehen, der aber nach einem Drehtag wegen Differenzen mit dem Hauptdarsteller und Produzenten Paul Henreid (CASABLANCA, 1942) die Produktion verließ. Henreid übernahm nun auch den Part des Regisseurs, wird in den Credits aber nicht als dieser aufgeführt.
Henreid hat es hervorragend verstanden, die Story rasant zu erzählen und gleichzeitig in dichte, atmosphärische Schwarzweißbilder zu packen, in denen es regnet oder der Nebel durch finstere Gassen zieht. Jede Szene ist nicht nur inhaltlich, sondern auch visuell spannend in Szene gesetzt. Die Inszenierung ist flüssig, nie langweilig und dazu gut besetzt. Neben Paul Henreid als John Muller (und Dr. Bartok) gibt es auch Joan Bennett (SUSPIRIA, 1977) zu bewundern, die einen ziemlich emanzipierten Eindruck für 1948 hinterlässt.
DER MANN MIT DER NARBE ist ein spannender, kurzweiliger, sehr atmosphärischer Film Noir – Krimi. Auch wenn die Story manchmal etwas zu konstruiert wirkt, überrascht die Inszenierung bis zum Schluss immer wieder mit kleinen Wendungen.
(Bjoern Candidus)