DIE RÜCKKEHR DER ZEITMASCHINE
(Deutschland, 1984, Regie: Jürgen Klauß)
Dr. Beilowski kauft bei einem Antiquitätenhändler eine Zeitmaschine, die er seinen Freunden abends vorstellt. Diese halten ihren Freund erst für verrückt, dennoch traut sich niemand, die Maschine auszuprobieren. Da fällt einem der Herren ein Meldereiter ein, der unter ihm im 1. Weltkrieg gedient hat. Der Mann sagt zu und wird 100 Jahre in die Zukunft geschickt.
Wenn der Titel DIE RÜCKKEHR DER ZEITMASCHINE fällt, erwarten die Meisten vermutlich eine Fortsetzung von George Pals Science-Fiction-Klassiker DIE ZEITMASCHINE (1960), der auf H.G. Wells gleichnamigen Roman aus dem Jahre 1895 basiert. Doch die Hoffnung kann begraben werden, denn hierbei handelt es sich um einen deutschen Fernsehfilm, der unter der Regie von Jürgen Klauß entstanden ist, der sein Setting, ein Herrenhaus in Deutschland Mitte der 1920er-Jahre, nicht verlässt. Mit Egon Friedells Roman „Die Rückkehr der Zeitmaschine“ (1946) hat dieser Film ebenfalls nichts zu tun.
Wer auf ein Effektspektakel und Abenteuer in der Vergangenheit oder Zukunft hofft, wird also enttäuscht, denn Jürgen Klauß Inszenierung ist ein Kammerspiel, in dem es nur in wenigen Momenten mal zu Außenaufnahmen des Hauses oder der umliegenden Natur kommt. Die einzigen Effekte bekommt man mit dem Verschwinden und Auftauchen der Zeitmaschine geboten. Bunte Lichter flackern auf, die Maschine vibriert, wirbelt Luft auf und verschwindet mit ihrem Gast. Ach ja, eine hysterisch klingende Version von Richard Wagners „Walkürenritt“ läuft dann auch ab.
In 120 Minuten wird hier nur geredet, was erst mal abschreckend klingen mag, doch die Inhalte sind nicht uninteressant. Die Herren, die einen ehemaligen Meldereiter vom Jahr 1925 ins Jahr 2025 schicken, staunen nicht schlecht, als plötzlich eine ganze andere Person zurückkommt. Ein Mann aus der Zukunft, der von dieser berichtet. Was schon mal verraten sei: Im Jahre 2025 gibt es keine Vögel mehr und jeder Mensch nimmt sich mit Beendigung des 49. Lebensjahres mittels Pille das Leben. Es wird diskutiert, gestritten und philosophiert, dazu fließt fleißig Alkohol, den die Herren in ihren Ledersesseln trinken. Durch die rustikale Einrichtung wirkt alles sehr muffig und bieder, was natürlich zu den Herren passt, die Berufe wie Mediziner, Historiker oder Politiker bekleiden. Die schnauzbärtigen alten Herren in ihrer hölzernen Einrichtung bringen nicht gerade Leben in die Bude. Das Schlimmste ist aber das ständige „Meine Herren…“, wenn mal wieder einer zur Rede ansetzt. Alles ist etwas steif, aber nicht zu steif, um nicht auch einen gewissen Charme zu versprühen.
Jürgen Klauß und sein Drehbuchautor Günter Kunert können das Fehlen jeglicher Schauwerte durch die gesprochenen Inhalte ausgleichen und haben mit DIE RÜCKKEHR DER ZEITMASCHINE ein interessantes Science-Fiction-Kammerspiel geschaffen.
(Bjoern Candidus)