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Dracula and Son, 1976 – ★★★★

DIE HERREN DRACULA
(DRACULA PÈRE ET FILS, Frankreich, 1976, Regie: Édouard Molinaro)

In Transsilvanien im Jahre 1784 kommt es zu der Entführung von Hermine Poitevin durch Vampire. Hermine wird dem vampirischen Baron vorgestellt, der ganz angetan von der Schönen ist. Er will ihr ein Kind machen und nach der Entbindung beißen, um sie in einen Vampir zu verwandeln. Soweit geht der Plan auf, doch ihr Sohn Ferdinand ist kein einfaches Kind. In den 200 Jahre, die vergehen, in denen auch Hermine Opfer des Sonnenlichts wird und zu Asche zerfällt, gelingt es dem Baron nicht, Ferdinand auf den rechten Weg des Vampirs zu bringen. Ferdinand ist gutmütig und alles andere als ein gieriger Vampir. Als die Kommunisten der sozialistischen Republik Rumänien dazu aufrufen, das Schloss des Barons zu erobern und ihn und seine Vampirsippe zu vernichten, kann der Schlossherr mit seinem Sohn gerade noch entkommen. Bei einer Schifffahrt werden sie schließlich entzweit, und so landet der Baron in London, während sein Sohn vor Paris strandet. Beide gehen sie erst mal völlig unterschiedliche Wege, bis sie sich schließlich wiedersehen und der Vater-Sohn-Konflikt auf ein Neues entfacht wird.

Drei Jahre nachdem Christopher Lee in DRACULA BRAUCHT FRISCHES BLUT (1973) das letzte Mal für die Hammer-Studios in die Rolle von Graf Dracula schlüpfte, entstand diese französische Produktion, die auf dem Roman „Der Vampir von Paris“ von Patrick Cauvin (als Claude Klotz) basiert. Regie führte bei der Vampir-Komödie Édouard Molinaro (EIN KÄFIG VOLLER NARREN, 1978). Auch wenn es der Filmtitel suggeriert, ist im Film von Dracula nicht die Rede. Lee spielt hier zwar einen aristokratischen Vampiren aus Transsilvanien, doch nennt man ihn schlicht „Le Baron“. Den Namen Dracula lediglich im Filmtitel auftauchen zu lassen, war in Deutschland nicht unüblich, doch hier wurde der zugkräftige Name bereits im Originaltitel vom Studio selbst eingesetzt, um die Kinokassen klingeln zu lassen.

Roman Polanski hat mit TANZ DER VAMPIRE (1967) für mich die bis heute beste Vampir-Komödie überhaupt gedreht, wovon ich mich letztes Jahr erneut überzeugen konnte. Aber auch DIE HERREN DRACULA funktioniert ganz hervorragend und setzt im Grunde da an, wo TANZ DER VAMPIRE aufhört. Natürlich nicht wirklich, aber Molinaro gelingt der Sprung in die Moderne, um das Vampir-Thema auf parodistische Art weiter auszubauen. Dabei greift er sogar schon Dinge auf, die erst viele Jahre später perfektioniert wurden. Zum Beispiel wird der Baron in London zu einem Horrorfilm-Star, natürlich durch die Rolle eines Vampirs. Dies könnte man als Vorahnung auf SHADOW OF THE VAMPIRE (2000) lesen. Der Humor, der hier aufgefahren wird, ist wirklich sehr angenehm und sympathisch. Nichts wirkt lächerlich, nichts wird zu Tode geritten. Momente, in denen der Vater dem Sohn einen Luxussarg bei einem Bestatter aussucht, sind einfach köstlich. Auch der Konflikt zwischen Vater und Sohn macht Spaß und bringt ungeahnte Ideen zum Vorschein. 

Aber DIE HERREN DRACULA ist nicht nur ein humorvoller Film mit einem wunderbar aufgelegten Christopher Lee als Vampir-Baron und einem sonderbaren Bernhard Menez als Ferdinand, der einfach keine Lust auf das Leben als Vampir hat, sondern auch ein optisch sehr schöner Film. In den ersten 10 Minuten gelingt es Molinaro klassische Horror-Motive, wie eine Kutsche, die durch einen nebeldurchzogenen Wald fährt, aufzubauen und orientiert sich sichtlich an den Hammer-Produktionen. Aber auch wenn es in die Gegenwart geht, schmückt sich die Inszenierung eher mit erdigen Farben, statt einem die bunten Siebziger ins Gesicht zu schmettern. Zudem bekommt man viele unterschiedliche Schauplätze präsentiert, die den Film nie trist erscheinen lassen. Nicht ganz so überzeugend ist der Score von Vladimir Cosma, der oft unpassend wirkt und zu wenig Abwechslung bietet. 

DIE HERREN DRACULA ist eine feine Vampirfilm-Parodie, die mit Witz, Charme und guten Schauspielern ganz weit oben in der Liste der Vampir-Komödien steht. 

(Bjoern Candidus)

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