WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET?
(WHOEVER SLEW AUNTIE ROO?, GB, 1972, Regie: Curtis Harrington)
Mrs. Forrest ist eine reiche, aber einsame Dame, die ihr Kind bei einem Unfall verloren hat. Jedes Jahr zu Weihnachten lädt sie eine kleine Gruppe Heimkinder zu sich in ihre Villa, um mit ihnen zu feiern und sie zu beschenken. In diesem Jahr verirren sich auch die beiden Geschwister Katy und Christopher in das Haus von Mrs. Forrest. Die Dame ist begeistert von den Kindern, und dann glaubt sie auch noch ihre verstorbene Tochter in Katy zu erkennen. Mrs. Forrest tut alles, um dem Kind zu gefallen, doch sie hat die Rechnung ohne Katys Bruder gemacht, der den finsteren Plan der Dame durchschaut hat.
Curtis Harrington (SATANISCHE SPIELE, 1967) verknüpft in seinem Psycho-Thriller WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET? das Märchen von „Hensel und Gretel“ mit PSYCHO (1960) und erweckt ebenfalls Erinnerungen an DAS VERSTECK (1969) von Narciso Ibáñez Serrador.
Harrington führt den Zuschauer in die 1920er-Jahre, und die Sets und die schicken Studiokulissen der Shepperton Studios verraten jeder Zeit die britische Herkunft der Produktion. Alles sieht wertig aus, und Harrington hält die Atmosphäre kontinuierlich hoch und konzentriert sich gleichzeitig auf seine Figuren. Mit Shelley Winters als Ruth hat man grundsätzlich ein glänzende Dame am Start, der man den Irrsinn meistens abkauft. Hier trifft sie nicht immer den passenden Ton, dennoch ist sie soweit gut aufgehoben. Winters bekommt es mit dem damals 14-jährigen Mark Lester als Christopher zu tun, der seine kleine Schwester Katy beschützt. Schon vorher ist Lester als Darsteller positiv aufgefallen, was er hier fortsetzt. Die Drei geben sich ein sehenswertes Duell, was in einem grimmigen Finale endet. In kleineren Rollen gibt es ein Wiedersehen mit Hugh Griffith und Rosalie Cruchtley.
Auch wenn die Story bereits 1972 nicht mehr ganz originell gewesen ist, hat Harrington mit WER HAT TANTE RUTH ANGEZÜNDET? einen atmosphärischen, teils makabren Psycho-Thriller abgeliefert, der aber mit der ein oder anderen Länge daherkommt.
(Bjoern Candidus)