A LIZARD IN A WOMAN‘S SKIN
(UNA LUCERTOLA CON LA PELLE DIE DONNA, Italien, Frankreich, Spanien, 1971, Regie: Lucio Fulci)
Carol Hammond berichtet ihrem Psychiater von wiederkehrenden sexuellen Träumen, in denen sie ihrer Nachbarin Julia Durer begegnet, die sie im realen Leben angeblich gar nicht kennen würde. Als Julia ermordet in ihrer Wohnung aufgefunden wird, führen gewisse Gegenstände, die am Tatort hinterlassen wurden, zu Carol.
Nachdem Lucio Fulci mit NACKT ÜBER LEICHEN (1969) bereits einen ordentlichen Beitrag aus der Welt der Gialli abgeliefert hat, folgte mit A LIZARD IN A WOMAN‘S SKIN schnell ein weiterer, dem er in Sachen Qualität gleich noch mal was draugelegt hat. Handwerklich ist er hier auf gleicher Höhe wie Bava, Argento oder Martino. Die Kameraarbeit von Luigi Kuveiller ist hervorragend, und besonders in den Traum-Szenen von Carol, bekommt man die mitunter prächtigsten Momente im Œuvre Fulcis geliefert. Im Zusammenspiel mit Ennio Morricones psychedelischen Score darf man sich auf pures Giallo-Kino freuen. In diesen Szenen treffen dann die beiden Grazien Florinda Bolkan als Carol Hammond und Anita Strindberg als Julia Durer in einem Bett mit rotem Bezug aufeinander, um die es hier in erster Linie geht. Da Frau Strindbergs Charakter schnell auf äußerst grafische Art aus dem Film getötet wird, braucht es ominöse, unklare Personen, um die Spannung hochzuhalten. Mit Jean Sorel als Carols Ehemann Frank Hammond ist ein weiterer guter Schauspieler an Bord, den Fulci bereits für NACKT ÜBER LEICHEN gewinnen konnte. Für die polizeilichen Ermittlungen, denen Fulci auch genug Raum bietet, stehen Stanley Baker als Inspector Corvin und Alberto de Mendoza als Sergeant Brandon zur Verfügung.
Die Stimmung zwischen den vielen verdächtigen Figuren sorgt für Spannung, die Fulci von Anfang bis Ende hochhalten kann. Die vielen Sets sorgen für Abwechslung und ein schön inszeniertes Unwetter mit Regen, Blitz und Donner lässt kurz ein Gothic-Horror-Feeling aufkommen. Das passt alles sehr gut zusammen, zumal man sich größtenteils in London und Umgebung aufhält. Auch die Ausstattung ist durchaus interessant, und an den Wänden in der Wohnung der Hammonds hängen Gemälde von Francis Bacon, Dalí und Picasso.
Trotz ein paar blutigen Einlagen konzentriert sich Fulci in A LIZARD IN A WOMAN‘S SKIN Linie auf die psychischen Abgründe von Carol Hammond, die in ihren Träumen ihrer Nachbarin Julia Durer begegnet. Das sorgt für viele Gespräche zwischen Polizei, Verdächtigen, den Familienmitgliedern von Carol und ihrem Psychiater Dr. Kerr (Jorge Rigaud), die aber nie langweilig sind und stets dem Weiterkommen dienen.
Wie in seinen späteren Werken hat
Fulci hier bereits einen Hang zur Provokation. Ein ganzer Zugwaggon voller nackter Männer und Frauen, den Carol in einem Traum durchschreiten muss, ist eine Sache, ein ganz anderes Kaliber ist die Sache mit den aufgeschlitzten Hunde-Attrappen, die mit pulsierenden Organen aufgestellt wurden. Tierfreunde können allerdings beruhigt sein, denn vor Gericht wurde bewiesen, dass kein Tier für den Film sein Leben lassen musste. Und Fulci-Fans wissen, dass er sich mit Tiersnuff nie die Hände schmutzig gemacht hat.
A LIZARD IN A WOMAN‘S SKIN ist ein visuell betörender Psycho-Giallo mit spannenden Figuren und einer gut konstruierten Story.
(Bjoern Candidus)