TÖDLICHES ERBE (IT 1968)
(OMICIDIO PER VOCAZIONE, Italien, 1968, Regie: Vittorio Sindoni)
Nach dem tödlichen Unfall eines Mannes, hinterlässt dieser seinen Kindern ein Erbe, was aufgeteilt werden soll, wenn der jüngste Sohn seine Volljährigkeit erreicht hat. Plötzlich wird dieser ermordet.
Ein Inspektor nimmt sich dem Fall an, doch dann passieren weitere Morde in der Familie.
Regisseur Vittorio Sindoni frickelte hier einen kleinen Erbschafts-Giallo zu recht, der sich zwar nicht mit der größten Spannung schmückt, aber trotzdem ein stimmiges Gesamtbild abgibt. Das visuelle Geschick eines Mario Bavas, der vier Jahre zuvor mit BLUTIGE SEIDE das Giallo-Kino mehr oder weniger definierte, erreicht Vittorio Sindoni zu keiner Zeit. Aber man bewegt sich hier auch nicht in der Welt der Schönen und Reichen, sondern in ländlicheren Gefilden, die sehr viel naturalistischer wirken als die der Models bei Bava.
Der größte Teil des Filmes spielt am helllichten Tag. Es ist warm, sommerlich, aber auch karg und trostlos. Leider ist auch die Besetzung nicht besonders lebendig. An Bord sind u.a. Feni Benussi als Simone, Tom Drake als Inspektor Greville und der im Giallo-Kino gern gesehene Ernesto Colli.
Sympathie versprüht hier freilich keiner, aber die wäre bei den Figuren auch fehl am Platz. Allerdings sorgt auch keiner dafür, das man großes Interesse für ihn hegen würde. Hier geht es allein um das beliebte Einer-nach-dem-Anderen-Prinzip und wer am Ende überbleibt, bzw. wer sich als Täter herausstellt. Am meisten Leben kommt durch den beschwingten Score von Stefano Torossi in die Bude, der mir richtig gut gefallen hat. Wenn Torossi erklingt, kommt ein schönes 60er-Jahre-Feeling auf, und der Barbesuch unterstreicht dieses. Im letzten Drittel holt Sindoni die anfänglich vermisste Spannung und Atmosphäre etwas nach und rundet die Story gut ab.
Bröckelnden Hausfassaden, viel Natur, die ein schönes italienisches Flair versprüht, sind die Stärken von TÖDLICHES ERBE. Dafür muss man auf charismatische Darsteller und visuelle Reize weitestgehend verzichten.
(Bjoern Candidus)