WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2
(CLASS OF NUKE ‚EM HIGH PART 2: SUBHUMANOID MELTDOWN, USA, 1991, Regie: Eric Louzil)
Die Tromaville Highschool ist längst keine Schule mehr im herkömmlichen Sinne. Vielmehr ist es eine Mischung aus Schule und Atomkraftwerk der Nukemama Corporation. Lesen, schreiben und rechnen weichen Sex, Drogen, Musik und natürlich Gewalt. Der Wahnsinn wird von Tromaville Collage Reporter Roger begleitet, der in den Kellerräumen der Schule auf die Experimente von Professorin Holt stößt, die an einer Armee von Subhumanoiden arbeitet, die ihr als Sex-, Arbeiter- oder Soldaten-Sklaven dienen. Als dann noch ein Eichhörnchen den radioaktiven Abfall frisst, wird es so groß wie King Kong und bereitet den Bürgern von Tromaville neue Sorgen.
Wer schon mit CLASS OF NUKE ‚EM HIGH (1986) nichts anfangen konnte, der braucht bei WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2 natürlich gar nicht erst einschalten. War der erste Teil schon völlig drüber, sprengt die Fortsetzung jeglichen Rahmen.
Die Produzenten Lloyd Kaufman und Michael Herz und Regisseur Eric Louzil legen noch einen drauf. Hier ist noch mal alles bunter, schräger, übertriebener, aber auch kreativer. Die verstrahlten Schüler sind optisch wieder gut auseinanderzuhalten. Da gibt es die Rosa-Föhnwellen-Fraktion und die Punker, die hier wild gegeneinander kämpfen, sich oder andere zum Spaß verletzten oder sich anderen sonderbaren Dingen hingeben. Eric Louzils Inszenierung lässt alles zu, was möglich war, und so bekommt man zu dem ganzen Irrsinn, den die Figuren verbreiten, auch viele krude SFX geboten. Vor allen sind die Monster sehr nett, die im Keller gehalten werden. Man bekommt z.B. eine Kreuzung zwischen einem Salamander und einem Frisör präsentiert oder darf einer Kreuzung aus untersetzter Studentin und Delfin mit Verdauungsstörungen beim kotzen zuschauen. Als Highlight gibt es dann das Rieseneichhörnchen, für das man teilweise auch die guten alten Stop Motion-Effekte zum Einsatz kommen ließ. Ziemlich bizarr sind auch die Subhumanoiden, die statt einen Bauchnabel einen zweiten Mund aufweisen. Leider kranken Professorin Holts Mutationen am Zellschmelzsyndrom, was für sie schlecht, aber für den Zuschauer gut ist, denn der darf sich auf viel Schleim und Sekrete freuen.
Es ist schon bewundernswert, wie viel man hier an Figuren, Ausstattung und absurden Ideen geliefert bekommt. Alles scheint gelöst zu sein. Man pinkelt in die Ecken, kotzt anderen in den Mund oder Furzt den Lehrer an. Wie schon im Vorgänger sind auch hier die Klamotten wieder ein wilder Mix aus 80er-Jahre-Jugendkultur, diesmal ergänzt durch die ständige Anwesenheit von Soldaten und Dekontaminationsteams mit Schutzanzügen. Gasmasken, Frauen unter Plastikfolien, Ketten, Nietengürtel, Lederjacken, sonderbare Gerätschaften… WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2 hat auch ein Herz für Fetischisten. Wie schon im Vorgänger sind auch hier die Darsteller so überzeichnet, dass sie mich überhaupt nicht gestört haben. Wo keine Story ist, können auch Idioten den Takt angeben, schließlich ist man in Tromaville.
War ich bei CLASS OF NUKE ‚EM HIGH irgendwann etwas genervt von dem Wahnsinn, der permanent auf einen einprasselt, hat mich das in WAHNSINNS-TRIP – CLASS OF NUKE ‚EM HIGH 2 weniger gestört. Ein bunter Irrsinn.
(Bjoern Candidus)