MAGNUM 45
(E TANTA PAURA, Italien, 1976, Regie: Paolo Cavara)
Bei einer Reihe von Morden hinterlässt der Mörder immer ein Bild aus dem Buch „Der Struwwelpeter“. Für Inspektor Lomenzo ist dies zumindest ein kleiner Hinweis, der zum Täter führen könnte. Ein Fotomodell und der zwielichtigen Privatdetektiv Riccio führen ihn schließlich zu einem Club, dem der Täter möglicherweise angehört.
Paolo Cavaras zweiter Giallo nach DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL (1971) ist erneut eine spannende Angelegenheit. Die Inszenierung ist von Beginn an düster und startet direkt mit einer Prostituierten, die ihren Freier erwürgt, bevor diese wiederum auf dem Heimweg in einem Bus mit einem Schraubenschlüssel erschlagen wird. Immer wieder gibt es Gewaltspitzen, wie die Verbrennung einer Frau bei lebendigem Leibe oder die Erschießung einer Person während einer TV-Live-Übertragung, die einen daran erinnern, dass man sich im Giallo-Kino befindet. Aber Cavara fokussiert sich auch auf die Polizeiarbeit, liefert Elemente des Poliziottesco und schickt, wie in DER SCHWARZE LEIB DER TARANTEL, einen Inspektor ins Rennen. Dieser wird von Michele Placido dargestellt, der zwar etwas reserviert wirkt, aber durchaus überzeugt. John Steiner, Jaques Herlin, Tom Skerritt und Corinne Cléry sind ebenfalls dabei, aber das Highlight ist ganz klar Eli Wallach als überheblicher Privatdetektiv.
Garstige Morde, ominöse Figuren und viele, atmosphärische Schauplätze, wie eine nebelige Landstraße, schmücken die recht spannende Story, die eine gute Auflösung findet. Kleinere Längen durch viel Geschwätzigkeit müssen allerdings auch hingenommen werden. Zum Ausgleich bekommt man einen Ausschnitt aus einem Fantasy-Zeichentrick-Porno, den sich die feinen Damen und Herren des Clubs anschauen. Abgerundet wird Cavaras Inszenierung von Daniele Patucchis Score.
MAGNUM 45 ist ein ausgewogener Hybrid aus Giallo und Poliziottesco, dem hin und wieder etwas die Luft ausgeht.
(Bjoern Candidus)