THE CHURCH
(LA CHIESA, Italien, 1989, Regie: Michele Soavi)
Im Mittelalter haben Teutonenritter ein ganzes Dorf der Hexerei und Ketzerei bezichtigt und alle Bewohner niedergemetzelt anschließend wurde eine Kirche auf dem Massengrab errichtet, um eine dämonische Wiederkehr zu verhindern. Im 20. Jahrhundert wird die in Deutschland stehende Kirche restauriert. Dabei stößt die Restauratorin Lisa auf ein mysteriöses Schriftstück, mit dem sich sich an den neuen Bibliothekar Ewald wendet. Sie stehen vor einem Geheimnis, was nicht gelüftet werden sollte, denn die dämonischen Kräfte sind bereit, ihre Rückkehr anzutreten.
Nachdem Michele Soavi mit seinem Debütfilm AQUARIUS – THEATER DES TODES (1987) einen ordentlichen Italo-Slasher hinlegte, richte er mit THE CHURCH seinen Fokus auf den Dämonen-Horrorfilm.
Schon zu Beginn darf man sich über eine gut Inszenierte Mittelalter-Szene freuen, in der Soavi und Kameramann Renato Tafuri direkt zeigen, was sie visuell drauf haben. Zum Beispiel filmt die Kamera während des Massakers immer wieder durch das ausgeschnittene Kreuz des Teutonenhelms. Aber auch im späteren Verlauf bekommt man beeindruckende Kamerafahrten und Perspektiven geliefert, die deutlich zeigen, wen Soavi zum Vorbild hatte: Dario Argento. Argento selbst fungierte hier nicht nur als Produzent, sondern schrieb auch die Story und zusammen mit Soavi das Drehbuch. Wie gut Argento Okkultismus und Hexerei im Kino beherrscht, wird auch hier wieder deutlich. THE CHURCH wirkt wie aus einem Guss, einem mystischen, geheimnisvollen Guss. Das Mittelalter weicht schnell den späten 80er-Jahren des 20. Jahrhunderts, wo man sich in Deutschland befindet. Die Außenaufnahmen wurden in Hamburg gedreht, während man für die intakte Kirche, innen wie außen, auf eine in Budapest zurückgriff. In dieser Kirche findet die Inszenierung in erster Linie statt, und später ist auch ein Entkommen nicht mehr möglich, da die Kirche selbst zur Falle wird. DIE FÜRSTEN DER DUNKELHEIT (1987) lassen nicht nur in diesem Punkt grüßen. Neben Ewald, der dem Geheimnis der Kirche auf der Spur ist und schließlich selbst zu einem Diener des Teufels wird, spielt auch Asia Argento als Lotte, die Tochter des Küsters, eine Rolle. Ewald wird von Tomas Arana dargestellt, der noch Barbara Cupisti als Lisa zur Seite gestellt bekommt. Die Geistlichen werden vertreten von Hugh Quarshie, Feodor Chaliapin Jr. und Giovanni Lombardo Radice. Zudem tummeln sich noch zahlreiche weitere Figuren in der Kirche, z.B. eine Horde nerviger Kinder.
In THE CHURCH ist immer was los und zu jeder Zeit schmückt Soavi seine Inszenierung mit Details oder setzt die Kraft der Farben, Formen und Perspektiven ein, um den Zuschauer bei Laune zu halten. Hin und wieder wird auch mal einer auf ruppige Art getötet oder es tauchen plötzlich dämonische Kreaturen auf, die ebenso schnell wieder verschwinden, aber durchaus Eindruck hinterlassen.
Garniert wird das Ganze mit der Musik von Keith Emerson, Goblin und Philip Glass.
THE CHURCH krankt etwas an seinen oberflächlichen Figuren, die nicht gerade zum mitfiebern anregen. Aber der große Rest ist ein sehr atmosphärischer Horrorfilm mit kraftvollen Bildern und beeindruckenden Sets, der zu den stärksten Beiträgen Italiens Ende der 80er-Jahre gehört.
(Bjoern Candidus)