SILBERSATTEL
(SELLA D’ARGENTO, Italien, 1978, Regie: Lucio Fulci)
Der 10-jährige Roy wird Zeuge, wie sein Vater von einem Mitglied des Barrett-Clans erschossen wird. Roy zögert nicht und erschießt den Mann. Viele Jahre später trifft Roy auf Snake, der ihm von einem gut bezahlten Auftrag erzählt. Dieser führt schließlich dazu, dass Roy auf Thomas Barrett Junior stößt, auf den es gleich zwei Parteien abgesehen haben, denn der Junge ist wertvoll.
Nach seinem Giallo DIE SIEBEN SCHWARZEN NOTEN (1977) kehrte Lucio Fulci ein weiteres Mal zurück zum Italowestern und schickte Giuliano Gemma auf den SILBERSATTEL.
Was hier sofort ins Auge stößt ist die schöne Fotografie von Sergio Salvati, der die bergige Wüste von Almería in all ihrer Schönheit eingefangen hat. Dörfer, Ruinen und ein alter Friedhof sorgen für eine dichte Atmosphäre, die vom Heulen des Windes unterstützt wird. Manchmal liegt etwas geradezu endzeitliches über den Bildern. Fulci hat den Geist des 60er-Jahre Italowestern aufleben lassen und lässt einen schnell vergessen, dass man sich bereits in Jahre 1978 bewegt. Die Ausstattung ist toll, der Score von Fabio Frizzi, Franco Bixio und Vince Tempera ist abwechslungsreich und der charismatische Giuliano Gemma (DER TOD RITT DIENSTAGS, 1967) macht als Revolverheld ohnehin immer eine gute Figur. Das gilt auch für Geoffrey Lewis (BRENNEN MUSS SALEM, 1979), Donald O’Brien (ZOMBIES UNTER KANNIBALEN, 1980), Aldo Sambrell (ZWEI GLORREICHE HALUNKEN, 1966), Ettore Manni (WESTERN JACK, 1967) und natürlich für Cinzia Monreale (BUIO OMEGA, 1979). Und selbst der kleine Sven Valsecchi hat als Thomas Barrett Junior gut gepasst und erstaunlich viel Auflockerung mit in die Inszenierung gebracht. Für einen späten Fulci ist SILBERSATTEL erstaunlich locker, humorvoll und fast lebensfroh, sieht man von den Tötungen ab, die sich zwar im Rahmen halten, aber dennoch teils blutig geraten sind, was im Italowestern nicht immer selbstverständlich war. Wenn hier in Köpfe geschossen wird oder man eine Gruppe hingerichteter Mönche sieht, ist das durchaus Fulcis Gangart, wenn auch nur kurz. Den brutalen und nihilistischen Ton von VERDAMMT ZU LEBEN – VERDAMMT ZU STERBEN (1975) hat er hier auf jeden Fall nach unten reguliert. Die Story selbst ist das eigentliche Problem von SILBERSATTEL, denn die ist weder originell noch spannend. Obwohl die Darsteller allesamt gut gewählt sind und perfekt in die Rollen passen, sind die Charaktere verhältnismäßig flach.
SILBERSATTEL ist ein hochwertiger Italowestern mit tollen Darstellern und wunderschönen Bildern, die gut über die flache Story hinwegtäuschen können.
(Bjoern Candidus)