DEAD EYES*
(IL GATTO NERO, Italien, 1989, Regie: Luigi Cozzi)
Der Regisseur Marc Rivetta möchte einen Film über die Hexe Levana drehen. Für die Rolle von Levana schwebt ihm seine Frau Anne vor, die anfangs begeistert ist von der Idee. Doch es dauert nicht lange, bis Anne von schrecklichen Träumen und Visionen heimgesucht wird. Die echte Levana ist zurück aus der Hölle, und sie richtet ein Blutbad an.
Was Dario Argento lange Zeit nicht bewerkstelligen konnte, setzte Ende der 80er-Jahre Luigi Cozzi in inoffizieller Form um: den dritten Teil der sogenannten Mütter-Trilogie, die mit SUSPIRIA (1977) ihren Anfang nahm und 1980 mit INFERNO fortgeführt wurde. Von einem wirklichen dritten Teil kann hier also nicht die Rede sein, vielmehr spielt Cozzi mit den Elementen der anderen Teile und baut drumherum ein reichlich wirres Gebäude. Inhaltlich wackelt Cozzis Story komplett hin und her und ist kaum mitreißend, was vor allem an den Figuren liegt, die ziemlich flach und ausdruckslos erscheinen. Der rettende Anker unter den Darstellern ist Caroline Munro, aber auch von ihr sollte man hier nicht zu viel erwarten. Die Idee mit dem Film, der über die Hexe gedreht werden soll, die dann den Weg zurück in die Realität findet, nimmt sogar ein wenig FREDDY‘S NEW NIGHTMARE (1994) vorweg, der zumindest gradliniger erzählt wurde. Aber Geradlinigkeit war noch nie die stärke des italienischen Horrorkinos, und so liefert Cozzi hier einen bunten, surrealen Horrortrip ab, der neben fiesen Eiterbeulenköpfen auch eine Handvoll Gore-Effekte kredenzt. Ähnliche Filme aus der gleichen Epoche wie GHOSTHOUSE (1988) oder WITCHCRAFT – DAS BÖSE LEBT (1988) haben durchaus auch ihre Schauwerte, aber bei Cozzi wirkt alles etwas runder und charmanter.
Kann sich der Score von Vince Tempera durchaus hören lassen, wird es bei den Heavy Metal Songs ähnlich unpassend wie das ein oder andere Mal bei Argento. Doch das ist nur ein kleiner akustischer Schönheitsfehler, der schnell verziehen wird, wenn jemandem hier nach ASTARON-Tradition der Bauch explodiert.
DEAD EYES ist ein greller Okkult-Horrorfilm voller aneinandergereihter Ideen, die Cozzi erneut als Fan des Phantastischen verraten, nur nicht als großen Geschichtenerzähler. 2007 hat es Dario Argento mit seinem richtigen dritten Teil, MOTHERS OF TEARS, wahrlich nicht besser gemacht.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“