LASST MICH LEBEN
(I WANT TO LIVE!, USA, 1958, Regie: Robert Wise)
Regisseur Robert Wise (THE HAUNTING, 1963) hat sich hier dem Fall der (mutmaßlichen) Mörderin Barbara Graham angenommen. Diese soll mit weiteren Komplizen in das Haus von Mabel Monohan eingedrungen sein, wobei sie getötet wurde. Graham, die kein Alibi für die Tatzeit hatte, beteuert ihre Unschuld. Als sie sich ein Alibi kaufen will, erstickte sie ihre Hoffnung, der Gaskammer zu entkommen, im Keim.
Mit Susan Hayward, die für ihre Rolle einen Oscar gewann, lag Wise goldrichtig. Hayward spielt ihre Rolle wirklich herausragend. Ihr Charakter ist mitnichten der einer typischen Frau der 1950er-Jahre. Diese Frau hat Kraft, immer einen passenden Spruch auf Lager und ist bereit, sich die Hände schmutzig zu machen. Aber ist sie auch bereit gewesen, einen Menschen zu töten? Nein! Zumindest nicht die Barbara, die ich hier erlebt habe.
Anfangs baut Wise den Film noch etwas beschwingt auf. Er stürzt seine Figuren ins Nachtleben, lässt einen coolen Jazz-Score von John Mandel auffahren und serviert wunderschöne Film Noir – Momente. Doch die Stimmung kippt. Wise dreht die Spannungsschraube gegen Ende bis ins Unerträgliche. Ich habe hier regelrecht mitgelitten. Die Vorbereitung der Gaskammer ist zutiefst erschreckend und wird von mir grundsätzlich zutiefst verachtet. Man muss sich vor Augen führen, dass die Todesstrafe in über 50 Staaten der USA weiter ausgeführt wird, und es sind wahrlich nicht immer Schuldige, die hingerichtet werden.
LASST MICH LEBEN ist ein sehr dramatisches Stück Kinogeschichte, ohne Frage ein Meisterstück. Ein wichtiger Film, der mich bedrückt zurückgelassen hat.
(Bjoern Candidus)