RHEA M… ES BEGANN OHNE WARNUNG*
(MAXIMUM OVERDRIVE, USA, 1986, Regie: Stephen King)
Wie aus dem Nichts fangen plötzlich Autos und elektrische Geräte an, verrückt zu spielen. Es kommt zu immer mehr Autounfällen und offensichtlich gezielten Attacken von Maschinen aller Art gegen Menschen. Eine kleine Gruppe Menschen kann sich anfänglich im Diner einer Tankstelle retten, doch diese wird immer mehr zur Todesfalle.
Enttäuscht von einigen Umsetzungen seines Werkes schlug Produzent Dino de Laurentiis Stephen King vor, einmal selbst Regie zu führen. Aus Zeitmangel lehnte King die Regie zu RHEA M anfangs ab, sagt aber später schließlich doch zu, was nicht unbedingt seine beste Idee war. RHEA M floppte an den Kinokassen und wurde von Kritikern gnadenlos zerrissen. Teils verständlich, denn King liefert eine höchst löchrige Story ab, die ständig Fragen aufwirft, die nie geklärt werden. Manche mögen so was gar nicht, und man muss hier auch immer wieder ein Auge zu drücken, denn die Inszenierung verliert ständig den Boden unter den Füßen.
Doch so schlecht ist RHEA M gar nicht, wie ich finde. Die Idee, dass sich Maschinen gegen ihre Erbauer richten, ist durchaus gelungen und gewinnt in Zeiten von KI neuen Aufwind. In Kings Vorlage „Lastwagen“ (zu finden in der Kurzgeschichtensammlung „Nachtschicht“), die er bereits 1973 veröffentlichte, ging der Terror nur von LKWs aus, die die Menschheit versklaven wollen. Dieser Aspekt fällt in der Verfilmung im Grunde weg, da der Ursprung durch einen Schweif am Himmel erklärt wird. Die Belagerungssituation der sehr unterschiedlichen Charaktere, die von angenehmen bis sehr nervig gezeichnet werden, ist im King-Universum keine Seltenheit (siehe z.B. THE MIST, 2007) und sorgt auch hier wieder für zusätzliche Konflikte unter den Menschen. Auch wenn der Film schon vor seiner Veröffentlichungen in Sachen Gore geschnitten wurde, bleiben noch ein paar nette Kills übrig oder man sieht zumindest das blutige Ergebnis. Zudem liefert King viele Action-Szenen mit Autoverfolgungsjagden, Schießereien und Explosionen, die die Inszenierung immer auf Trab halten und im besten Fall dafür sorgen, den Irrsinn nicht zu hinterfragen. Als Horrorfilm-Freund sollte man ohnehin vieles nicht hinterfragen, und so sollte man es auch mit RHEA M halten. Ein weiterer Pluspunkt kommt mit der musikalischen Begleitung von AC-DC rein, die der Inszenierung sehr guttut und den Wahnsinn glänzend untermalt.
Unter den Darstellern befinden sich u.a. Emilio Estevez, Pat Hingle, Giancarlo Esposito und viele eher weniger bekannte Darsteller. Im darstellerischen Bereich hat RHEA M immer wieder seine Probleme. Viele Figuren sind komplett überzeichnet, erfüllen jedes Klischee oder nerven einen in Grund und Boden. Immerhin tauchen genug Figuren auf, damit es sich etwas auflockert.
RHEA M… ES BEGANN OHNE WARNUNG ist inhaltlich und auch inszenatorisch weitestgehend katastrophal, hat aber das Talent, nie langweilig zu sein und mir immer ein Lächeln ins Gesicht zu zaubern, wenn nicht gerade Connie „Cuuuurties!“ ruft.
(Bjoern Candidus)
* Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“