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Murder in a Blue World, 1973 – ★★★★

DEAD ANGEL – EINBAHNSTRASSE IN DEN TOD
(UNA GOTA DE SANGRE PARA MORIR AMANDO, Frankreich, Spanien, 1973, Regie: Eloy de la Iglesia)

Regisseur Eloy de la Iglesia, der bereits mit seinem finsteren Mörder-Drama CANNIBAL MAN (1972) einen Blick auf die mörderische Seite des Menschen warf, legt hier nach und wandelt auf den Spuren von Anthony Burgess Roman „A Clockwork Orange“ (1962), bzw. Stanley Kubricks Verfilmung aus dem Jahre 1971, die hier sogar explizit als existierender Film erwähnt wird. 

DEAD ANGEL folgt gleich mehreren Handlungssträngen, die später ineinander übergehen. Auf der einen Seite steht der charismatische Jean Sorel als Dr. Victor Sender. Er ist überzeugt, gewalttätiges Verhalten mittels Elektroschocktherapie auszumerzen. An seiner Seite ist die schöne Sue Lyon als Krankenschwester Ana. Sie führt allerdings ein Parallelleben, in dem sie des nächtens verkleidet um die Häuser zieht, um junge Männer zu verführen und anschließend umzubringen. Für Gewalt und Terror sorgt eine Gang, die in schwarzem Leder gekleidet mit ihrem Strandbuggy durch die Nacht braust und nach Lust und Laune Menschen überfällt, vergewaltigt oder tötet. In den Momenten rückt dann auch CLOCKWORK ORANGE wieder etwas näher. Mitglied in der Gang ist David, dargestellt von Christopher Mitchum, der sich von seinen räudigen Kumpels lösen möchte, was denen natürlich überhaupt nicht passt. Dann läuft er Ana über den Weg. 

Dass Eloy de la Iglesia ein Händchen für Spannung, Figuren und Bildgestaltung hat, kann man in CANNIBAL MAN sehen, der zudem ein sehr realistischen Bild von Spanien der 1970er-Jahre zeichnet. Hier liefert er wieder starke Bilder und verlegt die Handlung (wie Burgess / Kubrick) in eine nahe, nicht datierte Zukunft. Diese nimmt man in erster Linie durch die futuristischen Innenausstattungen mancher Räume wahr. Der Film lebt mehr von einzelnen Szenen, schneidet das unangenehme Gesellschaftsbild dieser Zukunft an und präsentiert Experimente an Menschen, um gewalttätiges, mörderisches Verhalten zu unterdrücken, um an die Norm angepasst zu werden. Dabei kommt Strom- und Audiofolter ins Spiel, die Gefängnisse oder Todesstrafen überflüssig machen sollen. 

Die inhaltliche Kraft und die visuelle Brillanz eines Kubricks wird in DEAD ANGEL natürlich nicht erreicht, dennoch ist er ein kraftvoller und vor allem gewagter Film aus Spanien, denn 1973 befand sich das Land noch unter der Diktatur Francos. 

(Bjoern Candidus)

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