976-EVIL – DURCHWAHL ZUR HÖLLE
(976 – EVIL, USA, 1988, Regie: Robert Englund)
Hoax leidet unter seiner verrückten Mutter, die den direkten Draht zu Gott zu haben scheint und den Mitschülern an seiner Schule, für die er nur ein Idiot ist. Der einzige, der ihm noch beisteht, ist sein Cousin Spike, aber auch der ist nicht der Hellste. Als Hoax an eine Visitenkarte für eine Horoskop-Telefonberatung kommt, wächst in ihm die Neugier, und er wählt die Nummer. Damit bockt er sich nur noch mehr Ärger ein, denn ein Dämon ergreift Besitz von ihm. Mit dem Dämon im Leib begibt sich Hoax auf eine Rachetour, um all den das Licht auszubladen, die ihn verachten.
Wer ständig einen verbrannten Traumdämon mit Krallenhandschuh vor der Kamera mimt, möchte auch mal selbst Regie führen, so oder so ähnlich dachte sich Robert Englund. Schon die Titel-Sequenz, die einen in eine düstere Gasse mit einer Telefonzelle führt, erweckt Erinnerungen an die Traum-Ästhetik mancher NIGHTMARE ON ELM STREET-Teile. Schummriges grünes und pinkes Neonlicht durchflutet die Sets, die insgesamt einen eher heruntergekommen Anstrich bieten. Wenn Springwood das vordergründige Paradis der Spießbürger ist, ist das Kaff hier die Vorhölle der Minderbemittelten und Bekloppten. Das zeichnet sich beim Protagonisten Hoax (!), seiner religiösen Mutter und seinem Cousin Spike direkt ab. Drei Trottel, die es sich gegenseitig schwermachen. Die überzogenen und dümmlichen Figuren sind schon speziell und dürften einige abschrecken, dennoch sind sie skurril genug, um einen bei Laune halten zu können. Hoax wird von Stephen Geoffreys dargestellt, dessen Rolle sich hier kaum von der als „Evil Ed“ in FRIGHT NIGHT (1985) unterscheidet. Seine durchgeknallte Mutter wird von Sandy Dennis (GOD TOLD ME TO, 1976) verkörpert, während Cousin Spike von Patrick O‘Bryan (DER SUNSET-KILLER, 1989) dargestellt wird. Robert Picardo (STAR TREK – VOYAGER) gibt sich die Ehre, und Fans der Serie AUSGERECHNET ALASKA dürfen sich über Darren E. Burrows freuen.
Im großen Ganzen ist 976-EVIL – DURCHWAHL ZUR HÖLLE ein durchaus sehenswerter Horrorfilm, der sich vom Gros ähnlicher 80er-Produktionen etwas absetzt. Zwar bedient sich Englund auch Slasher-Elementen, aber geht seine Inszenierung kreativer und figurenbetonter an. Ein ordentliches Make-up, gute SFX und ein paar blutige Szenen sind einem ebenfalls gewiss.
976-EVIL – DURCHWAHL ZUR HÖLLE ist ein sehenswerter Horrorfilm, der gut zu Filmen wie EVILSPEAK (1981) und DIAL: HELP (1988) passt. Ein paar Minuten weniger Spielzeit hätten der Inszenierung gutgetan, aber wirklich störend ist eigentlich nur Stephen Geoffreys, der mich mit seiner Art irgendwann genervt hat, aber so kennt man ihn halt.
(Bjoern Candidus)