JULIAS UNHEIMLICHE WIEDERKEHR*
(FULL CIRCLE, GB, Kanada, 1977, Regie: Richard Loncraine)
Nach dem Tod ihrer Tochter Kate und einem mehrwöchigen Aufenthalt in einer Nervenklinik, flüchtet Julia Lofting vor ihrem Ehemann Magnus und bezieht ein altes Haus in London. Der Wunsch nach einem Neubeginn wird schnell überschattet. Anfangs wird sie von Magnus tyrannisiert, der sie ständig anruft, um mit ihr reden zu wollen, doch nachdem Julia an einer Séance teilgenommen hat, ereignen sich unheimliche Dinge, die sie und ihr Umfeld immer mehr bedrohen.
Mitte der 1990er-Jahre entdeckte ich im Fernsehen einen höchst unheimlichen Geisterfilm, der hier den irritierenden Titel JULIAS UNHEIMLICHE WIEDERKEHR trägt. Damals schon recht unbekannt, fiel in den folgenden Jahrzehnten noch mehr Staub auf Richard Loncraines Regiearbeit, bis sie im UHD-Zeitalter endlich wiederentdeckt wurde und nun in erstklassiger Form vorliegt und einem größeren Publikum zugänglich gemacht werden kann.
JULIAS UNHEIMLICHE WIEDERKEHR ist eine Adaption von Peter Straubs Roman „Julia“ (1975), der ihm zum Erfolg verhalf, den er mit seinem Folgeroman „Ghost Story“ (1979) weiter ausbauen konnte und der 1981 durch John Irvin verfilmt wurde.
JULIAS UNHEIMLICHE WIEDERKEHR erzählt eine klassische Geistergeschichte, die in London in den 1970er-Jahren angesiedelt ist und entsprechend dem neuen, vorherrschenden Ton des Genres mit Garstigkeit angereichert wurde. Der böse Geist, der hier zur Tat schreitet, wird zwar in der Vorlage weitaus bösartiger gezeichnet, dennoch setzt Loncraine ein paar sehr wirksame Tricks ein, um die Vorstellungskraft des Zuschauers auf unangenehme Art anzuregen. Hier heißt es in erster Linie subtiler Horror statt expliziter Schockeffekte. Was nicht heißen soll, dass hier niemand zu Tode kommt, ganz im Gegenteil.
Loncraines Inszenierung zeichnet sich in erster Linie durch ihre unglaubliche, fast meditative Ruhe und durch die schleichende, unheimliche Aura aus, die sich immer mehr ausdehnt. Das herbstliche Wetter und das alte, weitläufige Haus was Julia bezogen hat, sorgen für eine unheimliche Atmosphäre, und besonders effektiv ist dabei auch der Score von Colin Towns, der mal höchst unheimlich und dann wieder tief traurig klingt und somit perfekt zum Inhalt passt. Umso erstaunlicher ist es, dass Towns den Score bereits fertig hatte, bevor es der Film war. Hätte ich eine Horrorfilm-Score Top 10 Liste, wäre er dort stets vertreten.
JULIAS UNHEIMLICHE WIEDERKEHR handelt von dem schmerzlichen Verlust einer Mutter, die ihre Tochter durch Ersticken und anschließendem Verbluten nach einem Luftröhrenschnitt verloren hat und dem Versuch eines Neubeginns, der sowohl aus dem Diesseits und als aus dem Jenseits verhindert werden soll. Dass die Wahl auf Mia Farrow als Julia gefallen ist, hätte nicht glücklicher sein können. Ihr kränkliches Erscheinungsbild, was sie hier zum Besten gibt, geht einher mit ihrem Schauspiel. Ich mag Farrow einfach, auch mit ihrer schrecklichen Frisur, die sie hier trägt. Doch trotz der zerbrechlichen Art Julias, ist sie hier auch die treibende Kraft im Kampf gegen eine böse Entität, deren Ursprung sie ergründen muss.
Sieht man von Tom Conti ab, der als Mark sonderbar aufgesetzt wirkt, tauchen hier durchweg starke Darsteller auf, die wirkungsvoll eingesetzt werden. Keir Dullea darf als Julias tyrannischer und herrschsüchtiger Ehemann Magnus schlechte Stimmung verbreiten. Ein ganz fieses Persönchen ist auch Magnus Schwester Lily, die von Jill Bennett dargestellt wird. Trotz vieler inhaltlicher Einsparungen, hat Loncraine die Figuren aus dem Roman sehr gut getroffen.
JULIAS UNHEIMLICHE WIEDERKEHR ist ein schleichender Geister-Horrorfilm, der sich immer mehr verdichtet und langsam jeden Hoffnungsschimmer ausschaltet. Eine Herzensangelegenheit.
(Bjoern Candidus)
*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“