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Season for Assassins, 1975 – ★★★★

DIE WILDE MEUTE
(IL TEMPO DEGLI ASSASSINI, Italien, 1975, Regie: Marcello Andrei)

Piero und seine Gang tyrannisieren das Revier von Inspektor Cutroni, der es langsam leid ist, dass die Verbrechensrate immer mehr ansteigt. Besonders Piero ist ihm ein Dorn im Auge und er setzt alles dran, ihn und seine Gang dingfest zu machen. Doch Piero lässt sich nicht einschüchtern.

Marcello Andrei (PSYCHO MANIACS, 1974) hat mit DIE WILDE MEUTE ein handfestes Gang-Drama mit Polizeifilm-Einschuss inszeniert, in dem der gute Joe Dallesandro ein weiteres Mal für Ärger sorgt. Als Piero Naldi ist er der Kopf einer Gang von jungen Männern, die ihre Zeit mit Sex, Billard und Autos verbringen, wenn sie nicht gerade pöbeln, prügeln oder Menschen ausrauben. Ähnlich wie als Aldo in HARLEY RIDERS aus dem gleichen Jahr, will Dallesandro auch als Piero als Verbrecher aufsteigen, reich und geachtet werden. Als Aldo schafft er einen großen Sprung, bevor er fällt, als Piero bleibt er ein kleiner, mieser Typ mit dem es nur schief gehen kann, egal, wer sich auf ihn einlässt. Das müssen nicht nur seine Bräute feststellen, sondern auch Inspektor Cutroni, der immer mehr an der Gewalt in seinem Revier verzweifelt, die nicht selten von jungen, teils minderjährigen Menschen ausgeht. Cutroni wird von Martin Baldam verkörpert, der immer eine gute Idee ist und hier ständig die Contenance verliert und die Grenzen des Gesetzes überschreitet, was er vertritt. Zwischen den Stühlen steht Rossano Brazzi (BARBARAS BABY, 1981) als Pater Eugenio, der zwischen den Fronten vermitteln will. 

Auch wenn DIE WILDE MEUTE ein paar Action-Szenen, eine äußerster explizite Vergewaltigung und einen sehr drastischen Selbstmord beinhaltet, ist er in erster Linie ein Drama mit einem realistischen Blick auf die Problemzonen Italiens der 70er-Jahre, in denen Schmuggel, Raub und Gewalt auf der Tagesordnung standen. Andreis Inszenierung ist sehr ausgeglichen. Es gibt viele verbale Auseinandersetzungen, und zwischendurch darf Dallesandro wieder als Arschloch hochfahren und mit seiner Gang die Gegend tyrannisieren. Das schafft er spielend, zwar nicht mit schauspielerischem Talent, aber mit seinem unvergleichbaren Charme. 

Neben einer ordentlichen Kameraführung, vielen Schauplätzen am Tag wie in der Nacht, hat Alberto Verrecchia einen abwechslungsreichen Score arrangiert, der vor allem durch seine Funkmusic-Klänge überzeugt und DIE WILDE MEUTE passend abrundet. 

(Bjoern Candidus)

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