DER MANN MIT DER TODESKRALLE
(ENTER THE DRAGON, Hongkong, USA, 1973, Regie: Robert Clouse)
Lee, ein meisterlicher Kämpfer des Shaolin-Tempels, soll für einen internationalen Geheimdienst arbeiten. Sein Auftrag besteht darin, an dem brutalen Turnier von Han Shih Kien auf dessen Insel teilzunehmen. Natürlich ist das nur ein Vorwand, denn Lee soll herausfinden, welchen Machenschaften Han Shih Kien auf seiner Insel nachgeht.
Wer mal wieder einen Film sehen möchte, der mit jedem Bild pures Kino zeigt, der sich von vorne bis hinten mit einer phantastischen Ausstattung schmückt, eine bombastische Soundkulisse und einen mitreißenden Soundtrack von Lalo Schifrin besitzt, dem sei DER MANN MIT DER TODESKRALLE empfohlen. Und wer nebenbei noch die größte Martial-Arts-Film-Legende, Bruce Lee, erleben will, wie er jeden wegschlägt und wegtritt, der sich ihm in den Weg stellt, dem sei erst recht DER MANN MIT DER TODESKRALLE empfohlen.
Regisseur Robert Clouse schickt hier Bruce Lee in seinen ersten Hollywood-Film, der zugleich auch sein letzter wurde, denn der Meister des Jeet Kune Do verstarb kurz nach den Dreharbeiten und durfte die Premiere von DER MANN MIT DER TODESKRALLE nicht mehr erleben.
Die US-Hongkong-Co-Produktion besticht bereits in der ersten Minute durch die Kraft ihrer Bilder, die einen in ein faszinierendes Hongkong entführen. Dort darf man sich fernöstlichen Kampfkunsttraditionen hingeben, die einem den Atem rauben und wundersam aufzeigen, wozu der Menschliche Körper in der Lage sein kann.
Aufgebaut ist DER MANN MIT DER TODESKRALLE etwas wie ein James Bond-Film mit dem typischen Bösewicht, in dem Fall Han Shih Kien, der sogar mal kurz eine weiße Katzen halten darf und seiner Armee von Kämpfern auf einer Insel, auf der nichts Gutes im Schilde geführt wird.
Doch statt moderne Vehikel oder versteckte Minipistolen aus dem Hut zu zaubern, wie es ein James Bond macht, setzt Lee nur seinen Körper ein und kämpft sich überaus brutal levelartig nach oben und streckt jeden nieder, egal wie groß oder stark er ist, bis er im Spiegelsaal-Finale gegen Han Shih Kien antritt und ich mich kurz in einem Giallo zu befinden glaubte.
Aber es ist nicht nur der Körpereinsatz von Bruce Lee, John Saxon und allen, die hier zeigen, was sie drauf haben, sondern auch die tolle Regie von Robert Clouse, der einen in eine geheimnisvolle Welt zieht, in der es in allen Ecken was zu entdecken gibt. Man wird förmlich erschlagen von Formen, Farben und einer faszinierenden Kultur, die von Gil Hubbs meisterlich fotografiert wurde.
DER MANN MIT DER TODESKRALLE ist ein auf Film gebanntes Beben, was heute noch zu spüren ist.
(Bjoern Candidus)