DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT
(IL GATTO, Frankreich, Italien, 1977, Regie: Luigi Comencini)
In Rom soll ein großes Mietshaus verkauft werden. Die Besitzer, ein verhasstes Geschwisterpaar, müssen dafür allerdings die letzten Mieter aus dem Haus vertreiben, um ihren Check zu erhalten. Doch das stellt sich nicht als einfach heraus. Dann wird die Katze der beiden Vermieter Amedeo und Ofelia getötet. Amadeo geht zur Polizei, die die Sache herunterspielt. Amadeo begibt sich schließlich selbst auf die Jagd nach dem Täter.
Die von Sergio Leone produzierte Giallo-Krimi-Komödie DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT besticht bereits in der Eröffnungsszene durch eine dichte Atmosphäre, die einem die Architektur des Hauses zeigt, was verkauft und abgerissen werden soll. Die Kamera folgt einem getigerten Kater, der über die Dächer in der Nacht läuft und die Umgebung erkundet. Ähnlich wie bei DAS FENSTER ZUM HOF (1954) erhält man Einblicke in die noch bewohnten Wohnungen, während der heruntergekommene Anstrich Erinnerungen an DER MIETER (1976) weckt. Auch Lucio Fulci eröffnete ein paar Jahre später seine Poe-Adaption THE BLACK CAT (1981) ähnlich.
Mit dieser Eröffnung hat mich Luigi Comencini jedenfalls sofort gepackt, denn für ein Mietshaus als Kosmos für einen Film bin ich immer zu haben. Dass die Wahl der Darsteller manchmal wichtiger ist als die Geschichte, in der sie sich bewegen, zeichnet sich auch hier ab. Mit Ugo Tognazzi als Amedeo Pecoraro und
Mariangela Melato als Ofelia Pecoraro hat man ein schrulliges Geschwisterpaar am Start, was für einen gewisse Zynismus und Wortwitz sorgt. Auch wenn die humorvolle Seite in DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT immer wieder dominiert, ist der Krimi-Anteil durchaus spürbar und schlägt hin und wieder auch ernstere Töne an. Comencinis Film ist wie eine Reise durch die Mieterschaft, die der Hausbesitzer Amedeo Pecoraro antritt, um herauszufinden, wer seinen Kater getötet hat. Dass das letztlich am uninteressantesten ist, sieht Michele Galabru als Kommissar Dalila Di Lazzaro von Anfang an ein und will mit der Sache gar nichts zu tun haben, denn der muss sich um etwas ganz anderes kümmern.
Und so lernt man hier viele unterschiedliche Figuren kennen, von denen die wenigsten einen klaren Verstand zu haben scheinen. Man bekommt ein bisschen Wortwitz, ein paar alberne Momente, sehr schöne Kamerafahrten und interessante Architektur geboten. Abgerundet wird das Ganze von einem wunderschönen Score von Ennio Morricone, der der ganzen Inszenierung zusätzliches Leben einhaucht.
Leider verliert sich DER KATER LÄSST DAS MAUSEN NICHT inhaltlich immer wieder, aber Comencini hat genug Kräfte an Bord, seine Inszenierung am Leben zu erhalten, und Langeweile kommt hier ohnehin nicht auf.
(Bjoern Candidus)