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Contraband, 1980 – ★★★★½

DAS SYNDIKAT DES GRAUENS
(LUCA IL CONTRABBANDIERE, Italien, 1980, Regie: Lucio Fulci)

Zigarettenschmuggel gehört in Neapel bei vielen zum normalen Alltag, so auch zu dem von Luca, der damit für seine Familie Geld verdient. Doch der Marseiller, ein Drogenboss aus Frankreich, will Neapels Unterwelt beseitigen, um den Zigarettenschmuggel durch Rauschgiftschmuggel zu ersetzen. Als Lucas Bruder erschossen wird, entbrennt ein blutiger Kampf zwischen den Banden. 

Es ist höchst beachtlich, mit welcher Kraft und Energie Lucio Fulci in kürzester Zeit nach WOODOO – SCHRECKENSINSEL DER ZOMBIES (1979) eine Granate nach der anderen gezündet hat. Auf der großen Zombiefilm-Welle ist sein Schmuggler-Rache-Thriller DAS SYNDIKAT DES GRAUENS fast etwas untergegangen und wird nur selten erwähnt, wenn es um Fulcis Gore-Eskapaden geht, was völlig unverständlich ist. Dies ist möglicherweise dem Thema geschuldet, denn schließlich konzentrierten sich Fulci und seine Kollegen gerade auf Horrorfilme, statt auf Mafia- und Schmuggler-Themen, die zu Genüge in den 70er-Jahren bearbeitet wurden. Aber Fulci wäre nicht Fulci, wenn er mit DAS SYNDIKAT DES GRAUENS einen 08/15-Thriller gedreht hätte. 

Sein Film besticht von der ersten Minute an durch seine düstere Atmosphäre, die sich in der Eröffnungsszene auf dem Meer abspielt, wo es zu einer spannend inszenierten Verfolgung von Schmugglerbooten kommt. Musikalisch wird das Geschehen von Fabio Frizzi begleitet, der immer eine gute Idee ist. Egal, wo sich DAS SYNDIKAT DES GRAUENS aufhält, Fulci zeigt einem die dreckigen Orte und stürzt einen in ein Neapel voller Schmuggler und Killer, die sich gegenseitig an den Kragen wollen. Dafür verzichtet er auf eine innovative Geschichte, die es hier allerdings gar nicht braucht, um rundum unterhalten zu werden.

Fulci tritt das Gaspedal durch und liefert eine Garstigkeit nach der anderen. Bombenanschläge, blutige Schießereien, die zerfetzte Körper hinterlassen, die man so selten zu Gesicht bekommt sind fast noch noch harmlos. Der Einsatz eines Bunsenbrenner am Gesicht einer Frau und eine äußerst drastische Vergewaltigung sind dann noch ganz andere Kaliber, mit denen Fulci aufwartet. Die Gewalt passiert in regelmäßigen Abständen, während man in der Zwischenzeit vielen Unterhaltungen zwischen den Schmuggler-Bossen beiwohnen darf, die nie langweilig sind und einen zu Pferderennbahnen und Nachtclubs bringen. Das liegt vor allem an der Besetzung, und da ist der grundgute Fabio Testi als Zigarettenschmuggler Luca Ajello noch der sympathischste. Fulci hat eine ganze Wagenladung von griesgrämigen Typen abgesetzt, die sich entweder gegenseitig in die Arme fallen oder sich auf der Stelle wegballern. Für Nello Pazzafini als Messerstecher hat man sich was ganz besonderes ausgedacht, denn dessen Figur darf in ein Säurebad fallen. 

DAS SYNDIKAT DES GRAUENS ist ein wilder, höchst brutaler Trip durch die Unterwelt Neapels, in dem Fulci einem kaum Luft zum atmen lässt. 

(Bjoern Candidus)

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