BATMAN FOREVER
(USA, 1995, Regie: Joel Schumacher)
Gotham City kommt nicht zu Ruhe. Erst überfällt Two-Face mit seiner Gang eine Bank, dann taucht der rätselaffine Riddler auf, um die Bewohner der Stadt zu terrorisieren. Das ruft Batman auf den Plan, der diesmal Unterstützung von seinem neuen Helferlein Robin bekommt.
Das erste, was man machen sollte, bevor man sich diesem Film widmet: die Vorstellung über Bord werfen, nach BATMAN (1989) und BATMANS RÜCKKEHR (1992) einen weiteren starken Batman-Film zu bekommen. Burtons finsteres Gotham City gehört der Vergangenheit an und weicht einer grellen, allglatten Kulisse, die auch hässliche 90er-Jahre-CGI-Effekte zeigt, auf die man in BATMANS RÜCKKEHR noch verzichtet hat. Der bunte Anstrich nähert sich zumindest dem Charme eines Batman-Comics und rückt die Inszenierung näher an die Batman-Serie aus den 60er-Jahren.
Burton hat für BATMAN FOREVER Platz gemacht und Joel Schumacher den Regiestuhl überlassen, und das zeigt sich mit jeder Sekunde, die der Film läuft. Dass der Stil des Films ein völlig anderer ist, hat mich überhaupt nicht gestört, denn gerade das Batman-Universum lässt sich wunderbar variieren oder alternativ erzählen. Dennoch ist der Kontrast zwischen Burton und Schumacher so hart, dass nicht mal Michael Gough als Alfred und Pat Hingle als Commissioner James Gordon eine Verbindung zu den Vorgängern aufbauen können. Neben dem neuen Anstrich von Gotham City ist das Fehlen von Michael Keaton als Batman die gröbste Veränderung. Diesmal ist es Val Kilmer, der die Rolle des Dunklen Ritters bekleidet. Vom Typ her ist Kilmer ein völlig anderer und die charmante, leicht geheimnisvolle Art eines Michael Keaton bringt er nicht mit. Dafür funktioniert er als Hau-drauf-Batman, der mit seinem neuen Anzug auf jeden Fall was hermacht. Viel störender ist hingegen Chris O’Donnell als Robin, der völlig flach und hohlköpfig neben Batman verkommt. Zumindest konnte man ihn für die Action-Szenen benutzen, von denen es hier ohne Ende gibt. Denn wo Burton dezent bleibt, haut Schumacher raus. Leider hat er diese Energie nicht in vernünftige Charakterzeichnungen gesteckt, worunter vor allem die Antagonisten leiden. Ich kann mich kaum entscheiden, ob ich nun Tommy Lee Wallace als Two-Face lächerlicher finden soll oder Jim Carrey als Riddler. Sie sind zwar optisch näher an den Comics dran, doch sind sie derart überzeichnet, dass mir schnell der Spaß komplett vergangen ist. Burton hat seinen Figuren Tiefe und Form verpasst, Schumacher hat hingegen nur leere Formen geschaffen, die allenfalls das Potenzial hatten, mich gewaltig zu nerven. Nebenbei gesellen sich noch Nicole Kidman, Drew Barrymore und Rene Auberjonois hinzu, die den Karren allerdings auch nicht aus dem Dreck ziehen können. Der Score von Elliot Goldenthal ist hingegen soweit okay.
BATMAN FOREVER ist laut, bunt, actionreich, flach, arm an Charakterzeichnungen und kommt ohne Spannung und einer packenden Geschichte daher. Am Ende ist es lediglich die Ausstattung, die mich hier noch ein bisschen befriedigen konnte.
(Bjoern Candidus)