DIE TRAMPLER
(GLI UOMINI DAL PASSO PESANTE, Italien, 1965, Regie: Albert Band)
Nach dem Ende des Bürgerkriegs sind die Fronten zwischen Süd- und Nordstaatler bei vielen weiter verhärtet. Der machtbesessene Patriarch Temple Cordeen sorgt mit seinen Söhnen für Angst und Schrecken in der Gegend. Wer ihnen nicht passt oder gegen ihr selbstgeschriebenes Gesetz verstößt, wird hingerichtet. Als sein Sohn Lon vom Schlachtfeld des Bürgerkriegs zurückkehrt, wächst die Ablehnung gegen seinen Vater. Lon beschließt mit seiner Schwester Alice und ihrem Geliebten das Weite zu suchen. Doch Temple Cordeen lässt niemanden einfach so ziehen, schon gar nicht seine eigenen Kinder.
Mit DIE TRAMPLER hat Albert Band einen durchaus interessanten Italowestern gedreht, der sich inhaltlich vom Gros absetzt. Statt auf die ewige Rache-Story zu setzen, kredenzt Band eine Art Familien-Drama, in dem sich Joseph Cotten mal wieder von seiner bösartigen Seite zeigen darf. Nichts scheint der Mann besser verkörpern zu können als ein Arschloch, so wie als Temple Cordeen. Als Temple Cordeen hält er an der Vergangenheit fest und akzeptiert keine Veränderungen, schon gar nicht die Sicht auf die Yankees, mit denen der Krieg mittlerweile beigelegt wurde. Während seine kranke Frau für Cordeen nicht mehr weiter wichtig ist und seine Tochter Alice stets unterdrückt wird, sind es seine Söhne, die er hochhält und um sich scharrt. Sein Sohn Lon, dem das Verhalten seines Vaters und seiner Brüder gegen den Strich geht, wird von Gordon Scott verkörpert, der genauso unsympathisch daherkommt wie alle anderen Figuren. Da rettet auch ein Franco Nero nichts, der ohnehin nur am Rande vorkommt. Trotz der nachvollziehbaren Geschichte konnte ich für die Figuren keine Gefühle entwickeln. DIE TRAMPLER wirkt unglaublich kalt und ist stellenweise äußerst brutal. Direkt am Anfang wird ein unliebsamer Reporter aufgehängt, später explodiert ein Mann durch Dynamit und es kommt zu blutigen Einschusswunden, die nicht häufig in Italowestern anzutreffen sind.
Größtenteils ist die Inszenierung sehr spannend geraten und wurde sehr gut fotografiert. Handwerklich gibt es hier nichts auszusetzen. Leider kommt es in der Mitte zu ein paar Hängern, die Band aber mit einem harten Finale wieder wett macht. Sehr gelungen ist auch der Score von Angelo Francesco Lavagnino, der für das Genre untypische Akzente gesetzt hat.
Trotz der vielen unangenehmen Figuren ist DIE TRAMPLER ein sehenswerter Italowestern, der vor allem durch seine Geschichte auffällt.
(Bjoern Candidus)