STILLE NACHT – HORROR NACHT
(SILENT NIGHT DEADLY NIGHT, USA, 1984, Regie: Charles E. Sellier Jr.)
Ein Killer im Weihnachtsmannkostüm war 1984 auch nichts Neues mehr, denn CHRISTMAS EVIL (1980) war da bereits vier und GESCHICHTEN AUS DER GRUFT (1972) zwölf Jahre alt. Dennoch sorgte STILLE NACHT – HORROR NACHT für Aufruhr unter Eltern und Jugendschützern, die Mord und Totschlag nicht in Verbindung mit Weihnachten sehen wollten. Also die perfekte Werbekampagne für einen Horrorfilm, um ihn erfolgreich zu machen.
Charles E. Sellier Jr. folgt mit STILLE NACHT – HORROR NACHT der Tradition des Slasherkinos und setzt ein Kindheitstrauma voran, um einen Grund für das Handeln des Killers zu liefern. Und so darf in den Anfangsminuten gleich ein Räuber im Weihnachtsmannkostüm einen Ladenbesitzer und die Eltern des kleinen Billys ermorden, damit man direkt in weihnachtliche Stimmung kommt. Dass Billys Mutter vorher vom Mörder noch sexuell bedrängt wird, wird später noch mal wichtig, denn der Junge muss die Tat schließlich mitansehen. Nach diesem recht deftigen Anfang geht es weiter mit dem zweiten Billy-Darsteller, der seit der Ermordung seiner Eltern in einem Kinderheim aufwächst, wo er von strengen Nonnen erzogen wird, die ihn schlagen und ans Bett fixieren. Der Schaden ist vorprogrammiert. Es kommt zu einem weiteren Zeitsprung, der einen jugendlichen Billy hervorbringt, der seinen ersten Job antritt. Der Chef des Spielzeuggeschäftes ist begeistert von dem fleißigen Billy, doch als er ihn bittet, den Weihnachtsmann zu spielen, setzt endlich das ein, worauf man hier so lange gewartet hat: Billy wird zum Killer, als er das Liebesspiel seiner Arbeitskollegen auf einer Weihnachtsfeier beobachtet. Ab dem Punkt killt sich Billy mit sämtlichen Waffen durch den Film, und das nicht zu knapp. In Sachen Gore wird hier einiges geboten. Billy köpft mit einer Axt, schießt mit einem Bogen, schlägt mit einem Hammer den Kopf seines Bosses ein und spießt eine Frau (passend: Linnea Quigley) auf einem Hirschgeweih auf. Das und vieles mehr bietet STILLE NACHT – HORROR NACHT.
Leider gibt es auch deutliche Schwächen zu verzeichnen. Der erwachsene Billy wird von Robert Brian Wilson dargestellt, dem es an darstellerischer Leistung mangelt. Wie ein hohler Körper bewegt er sich durch die Sets und bringt sich lediglich dann ein, wenn er seinen nächsten Mord verübt. Mehr als Flashbacks, die den Mord an seinen Eltern zeigen, bekommt man nicht. Trotz ein paar atmosphärischen Szenen ist STILLE NACHT – HORROR NACHT insgesamt kein besonders schöner Film. Mir hat es hier immer an Charakter gefehlt, was vermutlich an der komplett unsympathischen Besetzung liegt.
STILLE NACHT – HORROR NACHT ist ein solider Festtags-Slasher, der seine mangelhaften Figuren durch seine garstigen Morde ausgleichen kann.
(Bjoern Candidus)