IN DEN KRALLEN DES UNSICHTBAREN
(LA VIE AMOUREUSE DE L’HOMME INVISIBLE, Frankreich, Spanien, 1970, Regie: Pierre Chevalier)
Dr. Garondet wird auf das Schloss des gefürchteten Professor Orloff gerufen. Als Mann der Medizin gibt er nichts auf das Gerede der Leute und macht sich auf in die finsteren Gemäuer des Wasserschlosses von Professor Orloff. Orloff ist alles andere als begeistert, als er seinen Gast erblickt, denn niemand hat was auf seinem Schloss zu suchen, wo er geheimnisvolle Experimente vollzieht.
Wie ein verfilmter Gruselcomic kommt Pierre Chevaliers Billigfilmchen aus dem Hause Eurociné daher, was ihn für mich immer zu einem zweifelhaften Vergnügen macht. Handwerklich ist IN DEN KRALLEN DES UNSICHTBAREN mehr schlecht als recht, und vor allem der Schnitt ist oft stümperhaft. Dennoch ist es Chevalier gelungen, eine unheimliche Atmosphäre aufzubauen, und das bereits zu Beginn, wenn der Film in einem alten Dorf startet, in dessen Nähe das Schloss des gefürchteten Dr. Orloff liegt. Der Wind heult und eine Sprenkleranlage sorgt für Regen, der Paco Valladares als Dr. Garondet fast auf Schritt und Tritt folgt.
Ein unsichtbare Affenkreatur (freilich ein Mensch in einem Kostüm), der als neue Über-Lebensform verkauft wird, ein wahnsinniger Howard Vernon als Professor Orloff, der mal wieder herrlich verschroben spielt, Schmierbolzen Fernando Sancho als Grabräuber und ein Hauptdarsteller, der öder nicht sein könnte, sind keine wirklichen Argumente, schon gar nicht die Vergewaltigung von Tochter Cécile Orloff (Brigitte Carva) durch den oben erwähnten Unsichtbaren, die eine Art Vorstudie zu THE ENTITY (1982) darstellt. Ich mag den Billig-Charme den IN DEN KRALLEN DES UNSICHTBAREN versprüht. Besonders das Wasserschloss von Orloff ist schön anzuschauen. Im Inneren erwartet einen dann die obligatorische Ausstattung, die alle Klischees eines Mad-Scientist-Horrorfilms mitbringt, und einen Kerker gibt es freilich auch.
Die löchrige Handlung und die billigen Effekte stören mich hier weniger als der fürchterlich monotone Score von Camille und Claude Sauvage, der in IN DEN KRALLEN DES UNSICHTBAREN viel verdirbt, was ohnehin schon wackelt.
(Bjoern Candidus)