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The Living Dead Girl, 1982 – ★★★★

LADY DRACULA
(LA MORTE VIVANTE, Frankreich, 1982, Regie: Jean Rollin)

Drei Männer entsorgen illegal Giftmüllfässer in einer Katakombe, an der auch eine Gruft anschließt. Die Männer beschließen, die Gräber zu plündern, doch dann kommt es zu einem Erdbeben, was eins der Fässer umstößt. Durch die giftigen Dämpfe wird die Leiche der kürzlich gestorbenen Catherine Valmont wiedererweckt. Sie tötet die Männer und wandelt zurück auf das unbewohnte Schloss ihrer Familie, wo sie mit ihrer besten Freundin Hélène gelebt hat. Hélène, die gerade erst erfahren hat, dass Catherine vor wenigen Wochen gestorben ist, findet plötzlich das Gegenteil heraus. Sie will ihrer Freundin helfen, die offensichtlich nichts mehr will, als menschliches Blut zu trinken.  

Hat man den reichlich fragwürdigen Anfang mit dem Giftmüll und dem Erdbeben geschluckt, von denen es in der Gegend häufiger welche geben soll, wie man später erfährt, setzt LADY DRACULA stilistisch FASCINACTION (1979) fort und führt einen auf das Schloss der Valmont, wo Catherine umherschleicht. Währenddessen sieht man Rückblenden von einer jungen Catherine und Hélène, die durch das Schloss laufen und einen Blutschwur auf ihre Freundschaft schwören. Hier zeigt Jean Rollin wieder was er kann: Poesie, Liebe und Romantik in zauberhaften Bildern zu entfesseln, die sich rasch mit dem Übel abwechseln. Übel wird es hier vor allem bei den Gore-Szenen, die seit FOLTERMÜHLE DER GESCHÄNDETEN FRAUEN (1978) Einzug in sein Kino erhielten, um den Zuschauerradius zu erweitern. Statt Spitzzähne benutzt die schöne Catherine ihre Fingernägel, die sie in die Kehle ihrer Opfer rammt. Das führt dazu, dass hier reichlich Blut fließt. LADY DRACULA ist grausamer als nötig, aber mich haben die Gore-Szenen keineswegs gestört, denn wo Schönheit ist, ist auch Hässlichkeit, und bei Rollin ist natürlich auch Nacktheit nicht weit.

Dass der Film dann doch ein klares Produkt der 80er-Jahre ist, zeigt sich durch die beiden amerikanischen Figuren, Barbara und Greg, die sich ständig angiften, wenn sie nicht auf Fototour sind. Durch sie bewegt man sich auch abseits des Schlosses und lernt die kleine Dorfgemeinschaft kennen, die gerade ein Fest feiert. Die innige Freundschaft zwischen Catherine und Hélène und ihr Leben auf dem Schloss erinnert ein wenig an Sheridan Le Fanus Novelle „Carmilla“ (1872), wohingegen das Zuführen von neuen Opfern, um Catherines Hunger zu stillen, ein wenig HELLRAISER (1987) vorwegnimmt. Ganz klar ist jedenfalls, dass LADY DRACULA in einem vertrauten Universum von Jean Rollin angesiedelt ist, was ich immer wieder gerne aufsuche und dem ich auch Giftgas als Mittel der Wiederauferstehung verzeihe, was mich zu RETURN OF THE LIVING DEAD (1985) und RACHE DER ZOMBIES (1987) führt.  

Schauspielerische Höchstleistungen sind bei den Darstellern und Darstellerinnen in Kino von Rollin selten bis gar nicht anzutreffen, dennoch hatte er stets ein Händchen für außergewöhnliche Gesichter, und besonders die Damen sind meistens sehr schön, was auch immer man darunter verstehen mag. Françoise Blanchard wirkt als Catherine, die apathisch zwischen dem Leben und dem Tod hin und her schwingt, faszinierend. Auch Marina Pierro macht als Hélène eine gute Figur, auch wenn sie etwas steif agiert. 

Trotz seiner expliziten Darstellungen setzt Rollin mit LADY DRACULA seine Linie fort, die er 1968 mit DIE VERGEWALTIGUNG DES VAMPIRS gestartet hat und lässt einen erneut in seine Welt finster Vampir-Romantik blicken. 

(Bjoern Candidus)

←Rats: Night of Terror, 1984 – ★★½
Traumstadt Gazette Ausgabe 98→

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