
SCHAMLOS
(Österreich, Deutschland, Frankreich, 1968, Regie: Eddy Saller)
Auf Frankfurts Straßen geben Banden den Takt an. Der gerade erst 20-jährige Alexander Pohlmann ist einer der Köpfe dieser Verbrecher. Gewalt und Erpressung stehen auf seiner Agenda, und dann ist da noch Arabella, die er auf den Strich schicken will. Doch der Plan geht nicht auf, denn Arabella wird eines Tages ermordet aufgefunden, und wie es aussieht, ist der Täter in den eigenen Reihen zu finden.
SCHAMLOS vom Österreicher Eddy Saller (GEISSEL DES FLEISCHES, 1965) funktioniert weniger aufgrund seiner Geschichte als durch die rasante, moderne Art der Inszenierung und durch die dichte Atmosphäre. Nachtclubs und schick ausgestattete Wohnung bestimmen das Bild in diesem Gangsterfilm, der einen in die Frankfurter Unterwelt der 60er-Jahre entführt. Die kühle Schwarzweißfotografie und die vielen zwielichtigen Charaktere, die lasterhaft durch die Geschichte wandeln, erinnern an den Film Noir. Allen voran steht Udo Kier in seiner ersten Hauptrolle als krimineller Alexander Pohlmann. Kier hat zwar bereits Präsenz, aber als junger Gangster hat er mich nicht vollends überzeugt. Die vielen älteren Herrschaften machen da einen besseren Eindruck, wie z.B. Vladimir Medar als Guido Romanelli. Auch der umtriebige Rolf Eden ist als Zuhälter Kowalski mit einem Auftritt vertreten, und er ist natürlich die beste Adresse, wenn es um Nachtclubs geht.
Ähnlich, wie einen Ernst Hofbauer ein Jahr zuvor IN HEISSES PFLASTER KÖLN das Gangstermilieu der Domstadt präsentierte, präsentiert einem Saller mit SCHAMLOS ein düsteres Porträt der Frankfurter Unterwelt. Die Geschichte selbst hat mich allerdings wenig gepackt. Mord, Prostitution und Erpressung hat man schon unzählige Male aus allen Ländern gesehen. Stattdessen überzeugt Saller durch eine zügige, Action betonte, teils brutale mit Sex angereicherte Inszenierung, in der es auch Momente gibt, die fast experimentell wirken, etwa während einer ausufernden Party-Szene, die wie aus einem anderen Film wirkt, aber den eigensinnigen Charakter der Inszenierung mitprägt. Ebenfalls sehr passend ist der Score von Gerhard Heinz der den rasanten Ton des Films ergänzt.
Inhaltlich ist SCHAMLOS kaum erwähnenswert, aber stilistisch ein Hingucker und filmhistorisch durchaus interessant, vor allem für Freunde des deutschsprachigen Exploitation-Kinos. Und für Udo-Kier-Fans ohnehin unverzichtbar.
(Bjoern Candidus)