
PUPPET MASTER
(PUPPET MASTER, USA, 1989, Regie: David Schmoeller)
PUPPET MASTER legt den Grundstein für ein ganzes Franchise, das bis heute mindestens 13 Fortsetzungen hinter sich herzieht. Bei der Co-Produktion zwischen Empire Pictures und Full Moon Entertainment führte David Schmoeller Regie, der durch Filme wie TOURIST TRAP (1979) und KILLERHAUS (1986) kein Unbekannter im Haus von Charles Band war. Ebenfalls waren Puppen (DOLLS, 1986) und verkleinerte Menschen (HERRSCHER DER HÖLLE, 1984) stets ein Thema bei Empire, und hier vereinen sich die Ideen und bilden eine ganz neue Geschichte.
Obwohl PUPPET MASTER ursprünglich für eine Kinoauswertung produziert wurde, entschloss sich Band kurzzeitig für eine DTV-Auswertung für den noch immer boomenden Videomarkt, den das Franchise nach und nach bediente. Mit 600.000$ ist man hier knapp dabei, aber Band ist ein Könner in Budget-Verteilung und PUPPET MASTER ist ein hervorragendes Beispiel dafür. Der Film ist außerdem der erste aus Bands Produktionsschmiede Full Moon Entertainment und legte somit einen wichtigen Grundstein.
Die Geschichte von PUPPET MASTER beginnt Ende der 1930er-Jahre, wo der Puppenmacher André Toulon ein geheimes ägyptisches Elixier entdeckt hat, mit dessen Hilfe er unbelebten Dingen Leben einhauchen kann, wie z.B. seinen Marionetten. Das ruft auch die Nazis auf den Plan. Doch bevor zwei deutsche Agenten aus Toulon die Rezeptur herausholen können, versteckt er das Elixier und seine verzauberten Marionetten hinter der Wand eines Hotels und nimmt sich das Leben. Ein halbes Jahrhundert später entdeckt der übersinnlich begabte Neil Gallagher, der neue Besitzer des Hotels, sowohl das Elixier als auch die Marionetten. Schließlich lädt der er seine ebenfalls übersinnlich begabten Freunde mittels Telepathie ein, um ihnen seine mächtige Entdeckung zu präsentieren. Doch als seine Gäste eintreffen, ist ihr Gastgeber tot und sie laufen Gefahr, das gleiche Schicksal zu erleiden, denn die Marionetten von André Toulon sind entfesselt worden.
Ort der Handlung ist das Bodega Bay Inn, ein auffällig schönes Hotel an der kalifornischen Küste, was direkt für Atmosphäre sorgt, die sich auch ins Innere herüberretten kann. PUPPET MASTER ist insgesamt sehr schön fotografiert und ausgeleuchtet. Der Score von Richard Band sorgt für Grusel, der die Marionetten wunderbar begleitet. Wo wir auch beim Highlight sind, denn die mörderischen Marionetten sind sehr kreativ geraten. Da wäre Blade mit seinem bleichen, bewusst an Klaus Kinski erinnernden Gesicht, schwarzer Kleidung, Hut und seinen tödlichen Klingen. Tunneler besitzt einen Bohrer als Kopf, während die weibliche Leech Woman ihren Opfern Blutegel entgegenspeit. Dazu kommen noch Jester und Pinhead mit seinem breiten Körper und dem winzigen Kopf. Die Marionetten sind allesamt ausgesprochen ausdrucksstark gestaltet und besitzen jeweils ihre ganz eigenen Fähigkeiten. Dadurch funktionieren auch die Morde recht abwechslungsreich. Hier wird gebohrt, gestochen und mit Blutegeln hantiert. Gerade die Mischung aus Puppendesign, praktischen Effekten und Stop-Motion, bzw. Puppenanimation macht einen großen Teil des Reizes aus. Ähnlich wie bei den großen 80er-Horrorfilm-Reihen sind auch hier weniger die potentiellen Opfer die Stars als vielmehr diejenigen, die Jagd auf sie machen. Dennoch kann sich auch die Besetzung von PUPPET MASTER sehenlassen. Paul Le Mat, William Hickey, Irene Miracle und der Rest passen sehr gut zum skurrilen Ton des Films.
PUPPET MASTER verbindet viele unterschiedliche Elemente miteinander. Es gibt Okkultismus, die Suche nach Unsterblichkeit, die Nazi-Thematik, Puppen-Horror und schließlich Anleihen beim Slasherfilm, der ein Jahr zu vor mit CHUCKY – DIE MÖRDERPUPPE einen weiteren Antihelden bekommen hat.
PUPPET MASTER ist ein charmanter, kurzweiliger Horrorfilm mit einer eigenen Mythologie, kreativen Ideen und einer unheimlichen Atmosphäre.
(Bjoern Candidus)