MONSTER IM NACHTEXPRESS
(TERROR TRAIN, Kanada, 1980, Regie: Roger Spottiswoode)
Ein gemeiner Streich unter Studenten bringt den schüchternen Kenny in die Psychiatrie. Drei Jahre später feiern die Studenten ihre Abschlussfeier in einem Zug, der von einem geheimnisvollen Killer aufgesucht wird und die Feiernden nach und nach ins Jenseits befördert.
Zusammen mit PROM NIGHT (1980) gehört MONSTER IM NACHTEXPRESS zu den ersten Horror-Slashern aus Kanada. Nicht nur das Slasher-Konzept, was vor allen Carpenter mit HALLOWEEN (1978) etablierte, wird hier aufgegriffen, sondern gleich noch die Hauptdarstellerin. Jamie Lee Curtis wanderte von HALLOWEEN zur PROM NIGHT, um beim MONSTER IM NACHTEXPRESS zu landen. Im Gegensatz zu ihrem Charakter der Laurie Strode, die sie in HALLOWEEN verkörpert, geht sie hier als Alana leider etwas unter. Aber MONSTER IM NACHTEXPRESS ist auch ein Film der Masken und Kostüme, und die hinterlassen mehr Eindruck als jeder der Darsteller, der Zauberkünstler David Copperfield, der hier auftaucht, mit eingeschlossen.
Regie führte der Kanadier Roger Spottiswoode, der hier sein Debütfilm ablegte. Rein visuell ist ihm mit MONSTER IM NACHTEXPRESS sogar einer der schönsten Slasher seiner Zeit gelungen. Obwohl der Handlungsort, ein fahrender Zug, nur wenig Spielraum bietet, gewinnt er gerade durch den limitierten Raum. Hin und wieder bekommt man auch den Zug von außen zu sehen, der durch eine verschneite Landschaft in der Dunkelheit fährt. Zudem baut Spottiswoode eine dichte Atmosphäre auf, die vor allem durch die farbige Ausleuchtung erzeugt wird. Eine Kostümparty in einem Zug mit einem Killer, der sich immer das Kostüm seines letzten Opfers überstreift, ist an sich keine schlechte Idee. Mal ist er Groucho Marx mal ein Echsenmensch oder ein runzeliger Mönch, und so kommt zumindest durch das Erscheinungsbild etwas Abwechslung auf. Ansonsten hält sich Spottiswoode an die Einer-nach-dem-anderen-muss-sterben-Regel, die zwar etwas blutiger als in HALLOWEEN ausgefallen ist, aber insgesamt nur wenig beeindruckt. BLUTIGER VALENTINSTAG, ebenfalls eine kanadische Produktion, hatte in Sachen Gore ein Jahr später weitaus mehr Eindruck hinterlassen. Aber schon Carpenter hat bewiesen, dass grafische Gewalt nicht das A und O in einem Slasher sein muss. Die belanglosen Figuren werden hier durch ein paar durchaus spannende Momente und dem ansehnlichen Erscheinungsbild der Produktion ausgeglichen. Die Kameraarbeit von John Alcott, der im gleichen Jahr SHINING fotografiert hat, ist sehr ordentlich. Eher unauffällig ist der triste Score von John Mills-Cockell.
MONSTER IM NACHTEXPRESS bietet leider nur wenig Überraschungen, krankt etwas an den Figuren (nichts ungewöhnliches im Slasher-Kino), aber hat visuell die Nase vorn und überzeugt durch sein beklemmendes Setting.
(Bjoern Candidus)