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Crocodile, 2000 – ★½

CROCODILE
(USA, 2000, Regie: Tobe Hooper) 

Erneut bricht ein Haufen verblödeter junger Leute auf, denen man schon nach wenigen Sekunden den Filmtod wünscht, um gemeinsam Urlaub an einem See zu verbringen. Unterwegs ist man mit einem gemieteten Hausboot. Zur gleichen Zeit stoßen zwei ansässige Angler-Deppen auf riesige Eier. Diese halten sie für die Eier eines vom aussterben bedrohten Vogels, der angeblich die Gegend tyrannisieren soll. Sie zerstören die Eier, was ein fataler Fehler war, denn sie gehören in Wirklichkeit einer riesigen Krokodilmutter, die prompt zuschlägt. Am anderen Tag finden die Jugendlichen die letzten zwei intakten Eier von denen eins zerbricht und das andere mitgenommen wird. Das Mutterkrokodil sieht rot und setzt zur Rache an.

Nach seiner King-Adaption THE MANGLER (1995) arbeitete Tobe Hooper fast ausschließlich für das US-Fernsehen und drehte Folgen für Serien wie DARK SKIES oder PREY – GEFÄHRLICHE SPEZIES. CROCODILE hingegen wurde für den Direct-to-Video-Markt produziert, was man dem Film leider zu gut ansieht. Hooper hatte anscheinend sogar richtig Lust auf das Projekt, und ihm schwebte ein ähnlich wirksamer Film wie TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) vor, nur in einem anderen Look. Was das für ein Look wurde, kann man sich vorstellen: ein grausamer Digitalllook, der einer billigen TV-Serie gleicht. Angst und Schrecken wollte Hooper erzeugen, aber das Ergebnis wurde ein Witz. Bis auf Sally (Marilyn Burns) waren auch die Ausflügler in TEXAS CHAINSAW MASSACRE keine sympathischen Figuren, aber sie haben sich nicht wie verblödete Vollhonks verhalten wie in CROCODILE.

Ein gefrässiges Krokodil kennt man ja bereits aus Hoopers höchst atmosphärischen EATEN ALIVE (1977). Gerade im Bereich Alligator- und Krokodil-Horrorfilme gibt es gute Beispiele wie z.B. der thailändische CHORAKE (1979), ALLIGATOR (1980) oder LAKE PLACID (1999). Aber Hooper schafft es nicht im Ansatz irgendwas zu reißen, schon gar nicht seine früheren Kräfte zu aktivieren, um einem den puren Terror ins Gesicht zu schleudern. Statt grober, dreckverkrusteter Bilder gibt es eine sterile Suppe. Wäre wenigstens inhaltlich oder darstellerisch noch etwas dabei herumgekommen, aber nein. Es fängt bei den grässlichen Darstellern an und endet bei hässlichem CGI. Dabei sehen die Animatronic-Szenen des Krokodils gar nicht schlecht aus, aber da man das Krokodil unbedingt in voller Größe außerhalb des Wassers zeigen wollte, musste natürlich CGI her, denn man ist hier ja nicht bei Lewis Tegue. Scheußlich wird es auch mit einem verlassenen Hotel auf einem Hügel, was ebenfalls am Rechner entstanden ist und billig ins Bild gesetzt wurde. Hin und wieder schafft Hooper ein wenig Atmosphäre zu erzeugen, und im letzten Drittel gibt es ein paar nette Attacken der Panzerechse. Doch alles ist viel zu hektisch und lustlos inszeniert. Gekrönt wird CROCODILE mit einem dümmlichen Finale, in dem erneut der digitale Schrecken vorherrscht. 

CROCODILE ist der traurige Totalabstieg von Tobe Hooper, dem hier auch keine Selbstzitate nützen, um den Fan bei Laune zu halten. 

(Bjoern Candidus)

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