HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN
(THE HILLS HAVE EYES, USA, 1977, Regie: Wes Craven)
Die siebenköpfige Familie Carter ist auf dem Weg nach Kalifornien und macht einen Zwischenstopp in der Wüste, um nach einer alten Silbermine zu suchen, doch dabei kommt es zum Achsenbruch ihres Wohnmobils. Auch das Funkgerät funktioniert in der abgeschieden Gegend nicht, was Doug, den Ältesten, antreibt, zu Fuß loszuziehen, um an einem anderen Ort Hilfe zu holen. Doch in der Gegend lebt eine Familie, die es auf Menschenfleisch abgesehen hat.
Als Wes Craven mit seiner Frau eine Spritztour durch Nevada unternahm, wurde er in einem Ort von Einheimischen mit einem Pfeil beschossen, der ihn leicht am Kopf verletzte. Nachdem er mit dem Anwalt drohte, drohten die Rüpel zurück und sagten, dass sie ihn hier ganz einfach umbringen und in der Salzwüste verschwinden lassen könnten. Dieser Vorfall, die Legende um Alexander „Sawney“ Bean und seiner Kannibalen-Sippe in Schottland und seine Begeisterung für Tobe Hoopers TEXAS CHAINSAW MASSACRE (1974) sind Zutaten die Craven zu HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN inspirierten. Doch statt der flachen, landwirtlichen Kulisse von Texas geht es hier in die Wüste. Gedreht wurde in der Ödnis von Kalifornien, wo Sand und Felsen auf Familie Carter warten. Auch Craven ist es gelungen, durch den Schauplatz und den sommerlichen Temperaturen eine Atmosphäre der Bedrückung zu schaffen. Das Transsylvanien der USA ist eine öde Wüste in der als Ergebnis von Atombombentests degenerierte Menschen leben, die sich vom Fleisch anderer Menschen ernähren. Die Hitze, die Abgeschiedenheit und die Bedrohung, die sich langsam und subtil anschleicht, dominieren die erste Hälfte von HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN, bevor es dann richtig losgeht und Craven den Terror entfacht, den Jupiter und seine Kannibalen-Sippe für die Carters vorbereitet hat. Der älteste Carter wird zum Braten, der jüngste soll als Nachtisch dienen und als Zwischenmahlzeit muss ein Wellensittich herhalten. An garstigen Ideen mangelt es wahrlich nicht, und Cravens grobe Art, die Gewalt zu inszenieren, ist eine wahre Wonne. Das ist pures 70er-Jahre-Terrorkino mit Verfolgungen und Kämpfen im Staub der Wüste.
Craven hat auch ein gutes Händchen mit seinen Darstellern bewiesen. Die siebenköpfige Familie Carter ist gut getroffen. Hier darf man auch die wunderbare Dee Wallace in ihrem zweiten Langfilm erleben. Im Finale beweisen dann die noch lebenden Mitglied der Familie, dass sich auch die Städter zu Wehr setzen können. Unter den Kannibalen sticht vor allem einer heraus: Michael Berryman, der zwei Jahre vorher bereits einen Auftritt in EINER FLOG ÜBER DAS KUCKUCKSNEST (1975) hatte und nach diesem hier zur einer Ikone des Horrorkinos wurde. Auch das Design der Kannibalen ist gelungen. Die Degenerierten schmücken sich mit Fell, Lumpen und Knochenschmuck. Besonders das Narben-Make-up von Jupiter (James Withworth) weiß zu gefallen und unterstreicht seine widerliche Art.
Auch wenn Craven nicht ganz die Kraft eines TEXAS CHAINSAW MASSACRE aufbauen konnte, ist ihm mit HÜGEL DER BLUTIGEN AUGEN ein starkes Stück Terrorkino gelungen, was sich mit einer dichten Atmosphäre, grober Gewalt und guten Figuren auszeichnet.
(Bjoern Candidus)