DAS HAUS DER SCHATTEN
(THE NIGHT DIGGER, GB, 1971, Regie: Alastair Reid)
Maura Price, eine Frau mittleren Alters, lebt auf dem weitläufigen Anwesen ihrer blinden Stiefmutter. Die alte, verbitterte Frau sucht ganz dringend einen Gärtner. Als jemand aus der Familie den Job absagt, taucht plötzlich ein junger Mann namens Billy mit seinem Motorrad auf, um sich für den Job zu bewerben. Maura und ihre Schwiegermutter sind skeptisch. Doch die Alte glaubt plötzlich, in Billy einen Großneffen zu erkennen und gibt dem jungen Mann eine Chance. Die menschenscheue Maura ist anfangs weiter misstrauisch, doch nach und nach verändert sich ihr Bild über Billy, der ebenfalls Menschen am liebsten aus dem Weg geht. Dann geschieht ein Mord an einer jungen Frau, der im Zusammenhang mit einer Reihe von anderen Morden steht, die sich in letzter Zeit in der Gegend zugetragen haben.
Alastair Reid (BABY LOVE, 1969) hat mit DAS HAUS DER SCHATTEN einen sehr dichten Psycho-Thriller mit einer glänzenden Besetzung abgeliefert. Dass es sich hier um eine englische Produktion handelt, ist nicht eine Sekunde zu übersehen, und genau das ist auch die Stärke des Films. Der Regen, die trüben Farben der englischen Landschaft und das in die Jahre gekommene Anwesen sorgen für eine latent bedrückende Atmosphäre, die das tolle Schauspiel von Patricia Neal, Pamela Brown und Nicholas Clay hervorragend unterstützt. Besonders Patricia Neal ist als Maura sehr gut gezeichnet und wirkt mindestens so undurchsichtig wie der sehr wortkargen Billy, den Nicholas Clay verkörpert. Ein bisschen Auflockerung bringt Pamela Brown als verbitterte und schrullige Stiefmutter mit rein.
DAS HAUS DER SCHATTEN ist ein sehr ruhiger, schleichender Psycho-Thriller, der seine Figuren in den Vordergrund stellt und sich bis zum bitteren Ende nicht aus dem Takt bringen lässt. Während die Vorlage auf der Story „Nest in a Falling Tree“ von Joy Cowley basiert, stammt das Drehbuch von Roald Dahl. Obwohl man schon recht früh weiß, wo der Hase lang läuft, sind es immer wieder kleine Überraschungen, die DAS HAUS DER SCHATTEN zu einem spannenden Film werden lassen, der keinen plakativen Schrecken nötig hat. Die rundum schaurige Atmosphäre wird von Bernard Hermanns Score untermalt, der der Inszenierung eine gewisse Schwere verpasst.
DAS HAUS DER SCHATTEN überzeugt durch seine Darsteller und durch die Fotografie der unnachahmlichen englischen Kulisse. Dass die Story im Grunde nicht viel Neues bietet, sei dabei fast vergessen.
(Bjoern Candidus)