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Texas Chainsaw 3D, 2013 – ★★

TEXAS CHAINSAW 3D – THE LEGEND IS BACK
(TEXAS CHAINSAW 3D, USA, 2013, Regie: John Luessenhop) 

Es macht durchaus Sinn, Filme nach Jahren wieder zu sichten, um sie möglicherweise neu zu bewerten. Auch eine chronologische Sichtung einer Film-Reihe kann durchaus ein neues oder anderes Licht auf die jeweiligen Teile werfen. Für TEXAS CHAINSAW 3D fiel diese Neubewertung leider gar nicht gut aus.

Obwohl die Idee nicht unklug gewesen ist, einen direkten Nachfolger zu Tobe Hoopers Erstling aus dem Jahre 1974 zu drehen, ist das Ergebnis von John Luessenhop leider komplett zersägt worden. 

Der Film startet mit Rückblicken aus dem ersten Teil, die dann in das neue Material übergehen, in dem man Zeuge wird, wie ein Trupp Polizisten und eine Bürgerwehr das Sawyer-Haus umstellen und die Herausgabe von Leatherface fordern. Was die Reproduktion des Hauses angeht, hat man ganz gute Arbeit geleistet und sogar an die versteckten VW-Käfer gedacht. Im Inneren sieht es etwas zu gepflegt aus, allerdings hat man gute Perspektiven gewählt, um etwas zu kaschieren, dass es sich um einen Nachbau der morbiden Wohnwelt der kannibalistischen Sawyers handelt. Und wo wir bei den Sawyers sind: Drayton Sawyer wird diesmal von Bill Moseley dargestellt, der Jim Siedow gut ersetzt, Grandpa darf nur im Hintergrund sitzen, während Leatherface einen ziemlich erbärmlichen Eindruck macht, aber er hat es schließlich verbockt. Hätte er Sally nicht entkommen lassen… Doch damit nicht genug, denn es gibt ein neues Oberhaupt, was von Gunnar Hansen gespielt wird, außerdem gibt es auch ein kurzes Wiedersehen mit Marilyn Burns, diesmal als Verna Sawyer. Zudem tummeln sich weitere Figuren der Sippschaft in dem Haus herum, die allerdings nach wenigen Minuten samt dem Sawyer-Haus ins Jenseits befördert werden, bis auf ein kleines Baby. 

Aus dem kleinen Baby ist die Erwachsene Heather Miller (Alexandra Daddario) geworden, die in Wirklichkeit eine Sawyer ist und unter falschem Glauben bei Adoptiveltern aufwuchs. Als ihre Tante aus Texas stirbt, bekommt sie die Nachricht, dass sie ihr Haus und ihr Hab und Gut geerbt hat. Gemeinsam mit ihren Freunden (u.a. Scott Eastwood als Carl) bricht sie auf, um sich das Haus anzugucken und auf den Spuren ihrer Vergangenheit zu wandeln. Doch diese Vergangenheit hätte sie ruhen lassen sollen, denn ein weiteres Familienmitglied hat überlebt: Leatherface. Der lebt seit ewiger Zeit versteckt in den Kellergewölben des Hauses, um schließlich Rache an denen zu nehmen, die seine Familie ausgerottet haben. 

Auch wenn das Ganze reichlich bescheuert klingt, lobe ich, dass man zumindest einen anderen Weg versucht hat, als mit jedem neuen Teil das Original kopieren zu wollen. Hat man die Anfangssequenz, die ich noch wohlwollend aufgenommen habe, ganz gut hinbekommen, scheitert es als Nächstes an der Logik. Logik setze ich bei Horrorfilmen wahrlich nicht an vorderste Stelle, aber wenn ich einen Film drehen möchte, der sich inhaltlich an einen anderen Film anschließt, erwarte ich zumindest ein bisschen Gehirn bei den Storygebern. Doch offensichtlich ist von den vier Herrschaften, die für die Geschichte und das Drehbuch verantwortlich waren, nicht in den Sinn gekommen, dass da zeitlich etwas nicht stimmen kann. Wenn die Protagonistin Heather Miller, also das Sawyer-Baby, 1973 ein Jahr alt war, kann sie 2013, in dem Jahr, in dem die Story angesiedelt ist, nicht erst Mitte 20 sein. Leatherface ist hingegen sehr viel älter geworden. Man hätte die Story einfach nur in den 90er-Jahren ansiedeln lassen müssen, aber dann wären auch keine Smartphones zum Einsatz gekommen. Sieht man darüber hinweg, was mir in diesem Fall wirklich mal schwerfällt, weil es so dumm ist, wird der Rest auch nicht besser. Hier gibt es so viele inhaltliche und inszenatorische Schwächen und Fehlentscheidungen, dass einem schwindelig werden kann. Im Gegensatz zum völlig hohlen TEXAS CHAINSAW MASSACRE: DIE RÜCKKEHR (1994) passiert hier allerdings sehr viel mehr und Regisseur John Luessenhop sorgt immerhin dafür, dass man nicht einschläft, weil man ja kopfschüttelnd da sitzt und / oder sich die Hände über den Kopf zusammenschlägt. Sehr nervig sind auch die billigen Verweise auf das Original (z.B. Gürteltier, Kühltruhe), die einem zusätzlich vor Augen führen, was Hooper geschaffen hat und Luessenhop nicht: einen puren, kompromisslosen Terrorfilm zu drehen. 

TEXAS CHAINSAW 3D ist lediglich ein lauer Horrorfilm mit uninspirierten, hässlichen 3D-Effekten, die in 2D natürlich ebenfalls schlimm aussehen. Die inhaltlichen Verfehlungen werden weder durch die langweiligen, aber durchaus blutigen Gore-Effekte noch mit irgendwelchen anderen Schauwerten wiedergutgemacht. 
Zugute halten kann man dem Ganzen vielleicht noch die relativ solide Besetzung, die aus vielen Figuren besteht, die mehr oder weniger gewichtig für die Geschichte sind. Spaß macht davon allerdings keine, nicht mal Leatherface. 

TEXAS CHAINSAW 3D scheitert in erster Linie an vielen kreativen Fehlentscheidungen und inhaltlichem Blödsinn. Die Fotografie, das ein oder andere Set und die Gesamtatmosphäre schaffen es zumindest die Inszenierung nicht vollends untergehen zu lassen. 

(Bjoern Candidus)

←The Climber, 1975 – ★★★★
Black Emanuelle 2, 1976 – ★★★→

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