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The Unnaturals, 1969 – ★★½

SCHREIE IN DER NACHT
(CONTRONATURA, Deutschland, Italien, 1969, Regie: Antonio Margheriti) 

Als ein paar gutbetuchte Damen und Herren mit ihrem Auto im Schlamm stecken bleiben, finden sie Unterschlupf in einem alten Jagdschloss, was früher mal ein Hotel war. Bewohnt wird das Gemäuer von Uriat und seiner Mutter, die die Zufluchtsuchenden rasch in eine Séance verwickeln, die dazu dient, unangenehme Wahrheiten ans Tageslicht zu bringen.

Die deutsch-italienische Co-Produktion SCHREIE IN DER NACHT ist unter der Regie von Antonio Margheriti entstanden, der sich auch für das Drehbuch verantwortlich zeichnete. Zwischen seinen beiden Italo-Western FÜNF BLUTIGE STRICKE (1968) und SATAN DER RACHE (1970) war also genug Zeit, für einen Giallo im Gewand eines Gothic-Okkult-Horrorfilms für die CCC von Artur Brauner. 

Nachdem sich einige Damen und Herren in ihr Auto begeben, öffnet Margheriti bereits seine Gothic-Horror-Kiste und lässt Gewitter, Sturm und Regen heraus, bevor die Reisenden Zuflucht in einem finsteren Jagdschloss in der Abgeschiedenheit suchen, da ihr Auto im Schlamm versunken ist. Der Einstieg für einen klassischen Horrorfilm ist damit nahezu perfekt gelungen. Wenn dann Luciano Pigozzi als finstrer Hausherr die Reisenden hereinlässt und seine in Trance stehende Mutter vorstellt, weiß man als Horror-Fan, dass man richtig ist, zumindest erst mal. Pigozzi hat selten unheimlicher gewirkt, wie ich finde, und der starre Blick seiner Mutter (Marianne Leibl), die angeblich in Kontakt mit dem Totenreich steht, weiß auch zu überzeugen. Die finsteren Räume und Korridore voller ausgestopfter Tiere vermitteln eine gruselige Atmosphäre, die durch das Unwetter weiter befeuert wird. 

Nachdem man sich vorgestellt hat und der Hausherr die Herrschaften dazu überreden kann, an einer Séance teilzunehmen, baut Margheriti Zeitsprünge ein, um die Vorgeschichten der jeweiligen Figuren zu beleuchten, denn das Zusammentreffen aller ist kein Zufall. Margheriti schraubt die Spannung herunter und konzentriert sich auf die Figuren, bestehend aus Darstellern wie Joachim Fuchsberger, Giuliano Raffaelli, Marianne Koch und Dominique Boschero, die soweit okay sind. Das lässt einen zwar in deren Vorgeschichte blicken, doch leider wird das Ganze etwas müde inszeniert. Da weitestgehend auf Gewalt verzichtet wird und ein herkömmlicher Phantomkiller nicht auftaucht, liefert Margheriti stattdessen ein paar Sex-Szenen lesbischer Natur, die für 1969 durchaus gewagt waren. Dennoch überwiegt eine Schwere den Mittelteil von SCHREIE IN DER NACHT, durch die sich eine Sauerstoffarmut breit macht. Viele Figuren prasseln aufeinander, es wird viel geredet, es kommt zu Eifersüchteleien, Streitigkeiten und den üblichen Machtspielchen der Reichen. Aber immerhin macht Margheriti den zähen Mittelteil wieder gut und liefert ein Ende mit einem überraschenden Effekt. 

Die dichte Atmosphäre, die durchaus gelungene Kameraarbeit und der unheilschwangere, wenn auch nicht gerade abwechslungsreiche Score von Carlo Savina, machen SCHREIE IN DER NACHT zwar zu einem Hingucker, der aber leider sehr zäh geraten ist.

(Bjoern Candidus)

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