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The Intruder, 1962 – ★★★★★

WEISSER TERROR
(THE INTRUDER, USA, 1962, Regie: Roger Corman) 

In Caxton, einer kleinen Stadt im Süden der USA, wird ein neues Gesetz erlassen, was es der schwarzen Bevölkerung ermöglicht, am Schulunterricht der Weißen teilzunehmen. Dann steht der durchs Land reisende Adam Cramer auf der Matte und versucht mit Lügen und rassistischer Hetze neuen Hass unter den Weißen zu schüren, und das mit großem Erfolg. 

Zwischen Monsterfilmen und Poe-Adaptionen widmete sich Roger Corman zwischendurch einem ganz anderen Schrecken und wagte es als einer der ersten Regisseure, das Thema der Rassentrennung auf die Leinwand zu bringen, was ihm höchst eindringlich gelungen ist. Der Film basiert auf einem Roman von Charles Beaumont, der auch am Drehbuch beteiligt war und im Film als Schulleiter Mr. Paton zu sehen ist.

In finsteren Schwarzweißbildern fängt Corman die bedrückende Atmosphäre dieses ekelhaften Kapitels der amerikanischen Geschichte ein. Die Segregation (die Trennung zwischen Menschen mit weißer und dunkler Hautfarbe) zog sich von 1896-1964 und wurde somit während der Dreharbeiten teilweise noch vollzogen. Dass man die Produktion aus unterschiedlichen Richtungen versucht hat zu sabotieren, versteht sich fast von selbst und trotz lobender Worte der Filmkritiker wurde WEISSER TERROR zu einem Misserfolg an den Kinokassen. 

Der noch junge, aber bereits film- und serienerfahrene William Shatner fährt hier zur Hochform auf. Als Adam Cramer, stets gekleidet mit einem weißem Anzug, verkauft er sich anfänglich als Gentleman, bevor er zum geistigen Brandstifter wird und mit einfachen Lügen, Verdrehungen und Behauptungen die weiße Landbevölkerung manipuliert und sie wie eine Spinne einwebt und für sich benutzt. Das hat damals wie heute ganz einfach funktioniert. Wer Shatner mal Jenseits des Guten sehen will, der hat hier die perfekte Gelegenheit dazu. Sein Charakter ist durch und durch hassenswert und wird von Shatner sehr überzeugend verkörpert. Nachdem er seine Rede geschwungen hat und die Bauern vor der „schwarzen Gefahr“ gewarnt hat, fährt der Ku-Klux-Klan in seinen weißen Kutten mit Autos durch das Schwarzen-Viertel, entzündet seine Kreuze und wirft eine Brandbombe in eine Kirche. Das sind harte Bilder, nicht nur für 1962, und es zeigt Cormans Mut für die unangenehmen Dinge abseits der Unterhaltung, auf die er sonst zielte. 

Aber Corman sendet auch Signale der Hoffnung, denn in WEISSER TERROR gibt es auch gute Menschen, die sich der Aufhebung der Segregation beugen oder sie sogar befürworten. Doch auch weiße Befürworter gelten als Gefahr und werden als „Volksverräter“ betitelt und gegebenenfalls halbtot geschlagen. Die meisten Darsteller sind Statisten, Menschen aus der Gegend von Missouri, denen gar nicht genau klar war, um was es bei WEISSER TERROR geht, da ihnen Corman nicht das komplette Drehbuch vorlegte, und er wusste genau warum.

Die Gegenwart beweist einem immer wieder, dass Freiheit und Menschenrechte nicht selbstverständlich sind und stets verteidigt werden müssen. WEISSER TERROR ist ein glänzendes Beispiel zum Thema, was im Œuvre von Corman einen ganz besonderen Stellenwert hat. Ein Film für jeden. 

(Bjoern Candidus)

←No, the Case Is Happily Resolved, 1973 – ★★★★½
Island of Lost Souls, 1932 – ★★★★→

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