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Torso, 1973 – ★★★★½

TORSO*
(I CORPI PRESENTANO TRACCE DI VIOLENZA CARNALE, Italien, 1973, Regie: Sergio Martino) 

Mit Sergio Martinos Giallo TORSO oder DIE SÄGE DES TEUFELS habe ich eine lange Verbindung. Ich kenne den Film seit Mitte der 90er-Jahre und es war neben Argentos OPERA (1987) mein erster Giallo, ohne zu wissen, was ein Giallo ist, denn der Begriff war zu dieser Zeit hierzulande kaum zu finden. Der ganze Stil des Films hat mich angesprochen. Ein paar Jahre später sollte ich Zugriff auf viele weitere Filme aus Italien bekommen, und so wurde eine Leidenschaft geweckt, die bis heute anhält. 

TORSO ist Martinos fünfter Giallo, den er in nur drei Jahren gedreht hat, und wieder hat er einen ganz anderen Ton angeschlagen und schickt diesmal junge Studentinnen der Kunstgeschichte ins Rennen, die sich in einer abgelegenen Villa auf einem Berg das Wochenende versüßen wollen. Doch auch ein Killer hat sich auf den Weg gemacht, um die Damen nach und nach aus dem Leben zu verjagen. 

Bei der Besetzung hat Martino direkt ein paar gute Bekannte am Start. Da sind z.B. Suzy Kendall als Jane, Tina Aumont als Daniela, Luc Merenda als Arzt, John Richardson als Uni Professor und Ernesto Colli als Schalverkäufer. Die meisten Figuren bieten genug Charakter, um die an sich flache Geschichte aufrecht zu halten. Aber um eine komplexe Geschichte mit tiefgreifende Figuren soll es hier ohnehin nicht gehen.

Martino legt hier viel Wert auf Naturschauplätze mit Bäumen, Flüssen und Bergen im Sonnenlicht. Das Meiste findet am Tage statt. TORSO verbreitet ein gewisses Urlaubsfeeling, was allerdings schnell getrübt wird, wenn der Killer zuschlägt. Hier holt Martino richtig aus und serviert ein paar grafische Morde, die es in sich haben. Einem Mann wird der Schädel mittels Auto zermalmt, Frauen werden erwürgt, zersägt usw. Martino hält drauf, lässt aber auch einige Morde im Off geschehen und präsentiert anschließend die Resultate. Das Giallo-Kino hat immer wieder slasherartige Züge, aber TORSO deutet durch das Erscheinungsbild des Killers und seine grafischen Morde noch deutlicher in Richtig US-Slasher-Kino, das durch HALLOWEEN (1978) und FREITAG DER 13. (1980) etabliert wurde, aber bereits in Filmen wie BLACK CHRISTMAS (1974) zuerkennen war. Martinos Film ist gleichzeitig auch ein waschechter Giallo, der einige Verdächtige liefert, schöne Frauen bereithält und einige sehr spannende und atmosphärische Momente besitzt, die Martinos Qualitäten erneut erkennen lassen. Zudem wird die Inszenierung von einem hervorragenden Score von den Gebrüdern De Angelis begleitet, der zu ihren besten Arbeiten gehört, meiner Meinung nach. 

TORSO ist ein erfrischender Beitrag in der Welt des Giallo-Kinos. Er sieht gut aus, ist brutal und weiß seine Schauplätze effektiv zu nutzen. 

(Bjoern Candidus)

*Podcast-Besprechung bei „Antenne Traumstadt“

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