THE BATMAN
(USA, 2022, Regie: Matt Reeves)
In Gotham City treibt sich einen Serienmörder herum, der es auf einflussreiche Persönlichkeiten der Stadt abgesehen hat. Sein Antrieb ist nicht das Töten selbst, sondern das Auslöschen von Gewalt und Korruption, die die Stadt immer mehr in ihrem Griff hat. Am Tatort hinterlässt der Killer Rätsel, die Commissioner Gordon mit Hilfe von Batman lösen will. Doch der Dunkle Ritter hat mit den Morden mehr zu tun, als ihm lieb ist.
Nachdem Batman im Mai 1939 seinen ersten Auftritt in dem US-amerikanischen Comicmagazin „Detektive Comics“ hatte, wurde die von Bob Kane und Bill Finger erschaffene Figur bis heute in allen erdenklichen Medien am Leben erhalten und erfreut sich stets großer Beliebtheit. Unterschiedliche Stile, Interpretationen und Herangehensweisen passen das weitläufige Universum um Batman und Gotham City immer am Puls der Zeit an. Gerade auf der Kinoleinwand kann man sich über die Wandlungsfähigkeit des Dunklen Ritters am besten ein Bild machen.
Mit Matt Reeves haben wir einen weiteren Regisseur, der Batman neues Leben einhauchen durfte, und ich finde, er hat das sehr gut gemacht. Reeves hat es verstanden, dem Zuschauer nicht nur gut dosierte Action, sondern auch eine packende Krimi-Geschichte zu servieren, die viel Wert auf die Figuren und ihre Beziehungen untereinander legt. Mit Robert Pattinson hat man zudem ein sehr glückliches Händchen bewiesen. Er füllt die Rolle eines depressiven, verzweifelten Bruce Wayne / Batman hervorragend aus. Bei ihm stimmt alles, und mit seinem ledernen Fledermaus-Kostüm macht er einen perfekten Eindruck. An seiner Seite stehen Andy Serkis als Alfred, der wunderbare Jeffrey Wright als Lt. James Gordon und Lenny Kravitz Töchterchen Zoë Kravitz als Catwoman. Ihnen gegenüber stehen John Turturro als Carmine Falcoe, Collin Farrell als Pinguin und Paul Dano als Riddler. Dano liefert eine fabelhafte Performance ab, die vor allem nach dem Ablegen seiner zodiacartigen Verkleidung richtig zur Geltung kommt, doch dann ist THE BATMAN schon fast vorbei. Aber der Riddler dient hier in erster Linie dazu, die Vergangenheit aufzuarbeiten und das korrupte System von Gotham City beim Namen zu nennen und die Hüllen der scheinbar Guten fallen zu lassen, bis ins Hause Wayne.
Was auch bei den meisten anderen Batman-Verfilmung gelungen ist, geht auch hier auf: eine ganz eigene Atmosphäre und einen eigenen Stil zu errichten. Das Design von THE BATMAN ist verhältnismäßig realistisch gehalten, entfernt sich von den bizarren Burton- und den kalten Nolan-Welten und zeigt ein dreckiges, heruntergekommenes Gotham City, was von Gewalt, Korruption und Drogen gezeichnet ist. Die ganze Inszenierung bewegt sich in düsteren, oft verregneten Bildern voller Schwärze durchzogen von gelblichem Licht, was die Nacht wundersam präsentiert. Eine Aura der Bedrohung und des Schmerzes ist allgegenwärtig und geht einher mit den zerrissenen und gespaltenen Figuren.
Reeves gelingt eine Balance aus Action, Spannung und Story, wie sie heute selten im Blockbuster-Kino anzutreffen ist. THE BATMAN erinnert mal an einen Film Noir – Krimi, mal an einen Serienmörder-Thriller und im nächsten Moment an einen Horrorfilm, der einen manchmal vergessen lässt, dass es sich um eine Comicverfilmung handelt. Die Action-Sequenzen sind nie zu lang und wirken selten übertrieben. Erwähnenswert sei auch der Score von Michael Giacchino, der ein paar richtig schöne Kompositionen bereithält und der gesamten Atmosphäre dienlich ist.
Mit fast drei Stunden Spielzeit ist THE BATMAN leider etwas zu lang geraten, dennoch hält sich Reeves selten lange auf und nutzt ein angenehmes, nie zu schnelles Tempo, um seine Inszenierung voranzutreiben.
Ich freue mich auf die Rückkehr von Robert Pattinson als Batman.
(Bjoern Candidus)