
DIE SCHÖNEN MORDE DES ERIC BINFORD
(FADE TO BLACK, USA, 1980, Regie: Vernon Zimmerman)
DIE SCHÖNEN MORDE DES ERIC BINFORD von Vernon Zimmerman ist ein feiner Psycho-Thriller, in dem Dennis Christopher in die Rolle des Film-Nerds Eric Binford schlüpft und damit schnell eine Identifikationsfigur für den Filmfreund liefert.
Von Beginn an, wenn Eric DRACULAS TOCHTER (1936) erwähnt, fühlt man sich heimisch. Sein Zimmer, im Haus seiner Tante, bei der er lebt, nachdem seine Mutter gestorben ist, ist entsprechend ausgestattet mit zahlreichen Filmpostern, Starportraits und anderen Memorabilia. Filme konsumiert er über einen kleinen Projektor oder auf einem Fernseher im Miniformat, wenn er sie nicht im Kino schaut. Er raucht viel, isst wenig und ist gedanklich nur in der Welt der Filme unterwegs, was seiner Tante überhaupt nicht gefällt. Dennis Christopher füllt die Rolle perfekt aus. Er wirkt nicht wirklich sympathisch, eher verschroben und löst Unbehagen aus, was schließlich nicht unberechtigt ist, denn in Eric schlummert der Wahnsinn, hervorgebracht durch all jene, die ihn nicht so akzeptieren, wie er ist. Seine Tante Stella bringt schließlich das Fass zu überlaufen, als sie sein Zimmer mit all seinen wertvollen Gegenständen zerstört. Eric schlüpft von nun an in berühmte Filmfiguren wie Dracula, einem Cowboy oder einer Mumie und startet seine mörderische Tour durch Hollywood. Die Figuren, u.a. bekommen wir einen kleinen Auftritt von einem noch unbekannten Micky Rourke, füllen bekannte Klischees aus und machen es einem einfach, sie ebenso wenig zu mögen, wie es Eric tut.
Es sind vor allem die vielen Verweise und Zitate, die DIE SCHÖNEN MORDE DES ERIC BINFORD für den Filmliebhaber besonders attraktiv machen. Eric arbeitet in einem Filmarchiv, und so bekommt man immer wieder Einblicke hinter die Kulissen von Hollywood, die sich hier nicht gerade glamourös zeigen. Aber der Reiz von Zimmermans Film liegt auch darin, dass er weniger ein durchgestylter Horrorfilm ist, sondern eher ein Psycho-Thriller über einen Nerd, der zu tief in seiner eigenen Parallelwelt lebt und so zum Außenseiter seiner Umwelt wird. Eric ist kein schüchterner Typ, kein reines Opfer. Er kann austeilen, ist sarkastisch und wirkt oft sogar recht unbeeindruckt von dem, was andere über ihn denken. Er hat seine Filme, das reicht ihm, bis alles kippt.
Psychologisch gehen DIE SCHÖNEN MORDE DES ERIC BINFORD nicht tief genug, um von einem ausführlichen Psychogramm zu sprechen, aber für einen 80er-Thriller, der in erster Linie im Horror-Regal zu finden ist (wenn auch selten), sticht Zimmermans Inszenierung hervor, was vor allem Dennis Christopher zu verdanken ist, der den ganzen Film trägt.
(Bjoern Candidus)