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The Professor, 1986 – ★★★★

DER PROFESSOR
(IL CAMORRISTA, Italien, 1986, Regie: Giuseppe Tornatore)

DER PROFESSOR von Giuseppe Tornatore ist nicht nur ein weiterer Mafiafilm, sondern eine starke 80er-Jahre-Version jener Polizei- und Gangsterfilmen, die das italienische Kino der 70er-Jahre geprägt haben. Tornatore greift dabei auf wahre Begebenheiten zurück, ohne auf konkrete Fälle einzugehen. 

Der Fokus von DER PROFESSOR liegt auf Ben Gazzara als „Der Professor“, der nach einem Mord ins Gefängnis kommt und von dort aus seinen Aufstieg als Kopf der Neuen Camorra plant. Wie eine Spinne wickelt er seine Knastbrüder ein und benutzt seine Schwester Rosaria (Laura del Sol) für die Geschäfte außerhalb der Knastmauern. Sie schafft neue Leute heran, und nach und nach entstehen neue Strukturen, die Neapel auf den Kopf stellen. Die Camorra startet ihr Schutzgeldprogramm und erpresst Geschäftsinhaber und Industrielle und legt sich mit Gewerkschaften an. Bei der hohen Arbeitslosigkeit in Neapel haben sie leichtes Spiel, um an Mitarbeiter zu kommen, die sie mit Geld locken, was ihnen sonst die Politiker wegnehmen. Im Gegenzug schwört man ewige Treue und legt das Versprechen ab, die „Familie“ nie zu verraten. Und was passiert, wenn man sie doch verrät, erfährt man hier natürlich auch.

Tornatore zeigt mit kühler Präzision, wie Schutzgeld, Schmuggel, Korruption und nackte Gewalt ineinandergreifen. Es eskaliert vollends, wenn die Alte gegen die Neue Camorra vorgeht. Die Morde sind äußerst hart und realistisch inszeniert. Immer wieder werden Menschen mit Messern abgestochen oder auf offener Straße erschossen, wenn sie nicht gerade durch eine Autobombe sterben.

DER PROFESSOR ist schonungslos, aber nie sensationsgeil, eher kühl beobachtend und fast dokumentarisch. Vor allem durch die Gerichts-Szenen bekommt man interessante Einblicke in den Justizapparat von Italien jener Jahre. Dass das Ganze auf realen Strukturen beruht, verleiht dem Film zusätzliches Gewicht. Man darf sich wundern, wie ein Land derart im Terror versinken konnte. 

Auch der Schauplatz, Neapel, wirkt schmutzig, eng, bedrohlich, und die Fotografie von Blasco Giurato fängt die Atmosphäre der Angst hervorragend ein. Ebenso passend, wenn auch wenig prägnant ist der Score von Nicola Piovani. 

Mit 170 Minuten ist DER PROFESSOR ziemlich lang, doch Tornatore hält sich nie lange auf und nutzt jede Minute, um die Story und das starke Schauspiel von Ben Gazzara als „Der Professor“ weiter voranzutreiben. 

(Bjoern Candidus)

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