
THUNDER 2
(Italien, 1987, Regie: Fabrizio De Angelis)
Thunder ist zurück! Nachdem unserem Indianer im ersten Teil ziemlich übel mitgespielt wurde, hat sich das Blatt inzwischen gewendet. Er wurde rehabilitiert und arbeitet nun ausgerechnet als Deputy in jener Kleinstadt, aus der man ihn zuvor noch vertreiben wollte. Das gefällt natürlich nicht jedem, insbesondere nicht seinem alten Widersacher Deputy Berry Henson (Raimund Harmstorf), der ebenfalls weiterhin als Deputy tätig ist und seine Demütigung aus dem ersten Teil offensichtlich noch nicht verdaut hat. Rache muss sein, denkt sich der Deputy und schmuggelt Kokain in den Spind seines neuen Kollegen Thunder, was diesem den Job kostet und ihn hinter Gitter bringt. Dort wird er natürlich besonders schlecht behandelt, kann aber entkommen.
Erneut hält man ihn für einen gefährlichen Verbrecher und erneut muss er versuchen, seine Unschuld zu beweisen, während ihm die halbe Polizei hinterherjagt. Besonders originell ist das natürlich nicht, zumal die Geschichte reichlich einfach konstruiert wurde. Die Sache mit dem Kokain im Spind hat man vor und nach diesem Film schon tausendmal gesehen. Die Idee, dass Thunder nun selbst ein Cop ist, schlägt dem Fass den Boden aus. Glücklicherweise wird er schnell aus dieser Rolle verbannt. Mark Gregory bleibt als Thunder etwas unbeholfen, und wenn er in einem Käfig ins Gefängnis gefahren wird, glaubt ich mich kurz in einem Gayporno zu befinden. Das wäre mal eine konsequente Wendung gewesen, stattdessen bleibt man dem Schema aus Teil 1 treu. Immerhin gibt es bei einigen Figuren kleinere Entwicklungen. Der Sheriff (Bo Svenson), der im ersten Teil noch eine ziemlich zweifelhafte Rolle spielte, wirkt inzwischen etwas nachdenklicher und scheint zumindest teilweise aus seinen Fehlern gelernt zu haben.
Inszenatorisch bewegt sich Fabio De Angelis ungefähr auf dem Niveau des Vorgängers, wobei sich hier sehr viel mehr unfreiwillige Komik einschleicht. Es wird reichlich geschossen, einiges in die Luft gejagt und auch sonst mangelt es nicht unbedingt an Action. Allerdings macht das Ganze deutlich weniger Spaß als noch im ersten Film. Das liegt unter anderem daran, dass zwei Dinge, die den Vorgänger durchaus ausgezeichnet haben, diesmal weitestgehend fehlen. Da wäre die Landschaft Arizonas, die hier weniger Aufmerksamkeit bekommt und das Fehlen von Francesco De Masi als Komponist. Diesmal hat Walter Rizzati den Score dazu gesteuert, und der bleibt ziemlich ausdruckslos.
THUNDER 2 kopiert in großen Teilen seinen Vorgänger, aber Fabrizio De Angelis hat es nicht geschafft, den gleichen Unterhaltungsfaktor zu liefern.
(Bjoern Candidus)