Kategorie: Rezensionen

  • White Star (Deutschland, 1983, Regie: Roland Klick)

    White Star (Deutschland, 1983, Regie: Roland Klick)

    Roland Klick (DEADLOCK, 1970) hat mit WHITE STAR ein hervorragendes Drama über einen Musiker und seinen Manager geschaffen, der einen realistischen Blick auf das Business liefert. 

    Dennis Hopper spielt hier den Musikmanager Kenneth Barlow, einen ausgebrannten, größenwahnsinnigen Profilneurotiker. Er will den jungen Musiker Moody zum Star machen, zum “White Star”, wie auch das erste Album heißen soll. Barlow lässt gelbe Buttons herstellen, auf denen einfach nur Future steht und versucht Moody als Vertreter eines neuen Future Sounds aufzubauen. Das bekommt mit der Zeit eine gewisse Ironie, denn je mehr Barlow von der Zukunft redet, desto mehr sieht man ihm an, dass seine Zukunft nicht mehr allzu lange dauern dürfte. Barlow ist ein neurotischer Egomane mit größenwahnsinnigen Vorstellungen, die er kaum unter Kontrolle hat, und Dennis Hopper spielt ihn mit einer solchen Intensität, dass der Film fast mehr Dennis-Hopper-Film als Musikfilm wird. Die Dreharbeiten mit Hopper stellten sich als problematisch dar, da er zu dieser Zeit sehr stark dem Kokainkonsum frönte. Auf sein Schauspiel hat sich das allerdings nicht negativ ausgewirkt, denn im Film funktioniert seine feurige Präsenz großartig, und man darf sich auf ein paar exzentrische Momente freuen, die etwas an seine Rolle als Frank in BLUE VELVET (1986) erinnern. 
    Terence Robay als Moody hat es da natürlich schwerer, aber er ist eben auch der wortkargere, unerfahrenere, zurückhaltendere Part, und genau das funktioniert in diesem Ungleichgewicht erstaunlich gut. Da Barlow eine ganz besondere Auffassung von Promotion hat, hat er noch einen Handlanger, der für Chaos und Krawall sorgt. Dieser wird von David Hess dargestellt, der Schaufensterscheiben einwerfen darf und einen ganzen Punk-Club eskalieren lässt, damit die Presse über Moodys Auftritt berichtet.

    Interessant ist, wie wenig sich WHITE STAR für die Musik selbst interessiert. Obwohl sich der ganze Film um einen Musiker, um ein Debütalbum und um einen neuen Sound dreht, bekommt man davon erstaunlich wenig zu hören. Moody wird nicht einmal als großer Sänger inszeniert. Einzelne Musikfetzen gibt es zwar, aber der Film verweigert einem das Produkt, um das es eigentlich gehen soll. 

    In WHITE STAR geht es im Grunde gar nicht um Musik, sondern um das Geschäft mit der Musik. Barlow erzählt von den 60ern und von den Rolling Stones, für die er als Konzertmanager gearbeitet hat und davon, dass früher ja noch richtige Musik gemacht wurde. Die Musik der Gegenwart hält er dagegen für Plastik- und Wegwerfmusik. Genau diese Aussagen hört man bis heute. Früher war die Musik besser, früher waren Filme besser, früher gab es noch echte Künstler und heute nur noch künstliche Maschinerie.

    WHITE STAR wirft auch einen Blick auf die Musikproduzenten, die genau entscheiden, wer auf der Bühne steht und bestimmen, welches Bild verkauft wird. Nicht der Künstler bestimmt die Regeln, sondern einzig das Management. Und genau das muss Moody ziemlich schnell herausfinden. Zunächst sagt er noch, dass er mit Drogen nichts anfangen kann, wenig später sitzt er selbst zugedröhnt im Studio. Klick macht daraus keine große Moralgeschichte, sondern zeigt eher, wie schnell man im Business abrutschen kann, besonders, wenn man Leute wird Barlow kennt.

    WHITE STAR ist nicht nur inhaltlich spannend und voller toller Monologe von Hopper, sondern auch visuell sehr düster und atmosphärisch. Das damals noch zweigeteilte Berlin wurde von Kameramann Jürgen Jürges hervorragend eingefangen. In verregneten Bildern präsentiert sich Berlin wie ein Beton-Moloch in kaltem Neonlicht, und man bekommt sogar die Mauer zu sehen, wie in POSSESSION (1981). 

    WHITE STAR ist ein düsteres Porträt über das Musikbusiness mit einem hervorstechenden Dennis Hopper, der mal wieder zeigt, mit welchem Talent er beschlagen wurde.  

    (Bjoern Candidus)

  • 16 Blocks

    16 Blocks

    Eigentlich soll der ausgebrannte New Yorker Polizist Jack Mosley nur einen Gefangenen 16 Blocks weit zum Gerichtsgebäude bringen. Eine kurze Fahrt quer durch Manhattan. Doch Eddie Bunker soll dort gegen korrupte Polizisten aussagen – und plötzlich sind diese 16 Blocks verdammt weit.

    Richard Donners 16 Blocks lebt von dieser angenehm einfachen Ausgangslage. Der Film verliert kaum Zeit und entwickelt daraus einen geradlinigen Großstadtthriller, der weniger an das zunehmend überladene Actionkino der 2000er erinnert als an Polizeifilme der 70er und 80er Jahre.

    Bruce Willis spielt Jack Mosley dabei erfreulich weit entfernt vom klassischen Actionhelden. Übergewichtig, unrasiert, alkoholabhängig und körperlich am Ende schleppt er sich durch den Film. Willis muss hier nicht permanent cool sein. Mosley ist ein Mann, der längst aufgegeben hat und durch die Begegnung mit Eddie noch einmal gezwungen wird, eine Entscheidung darüber zu treffen, wer er eigentlich sein möchte.

    Mos Def bildet als ständig redender Eddie den bewussten Gegenpol. Seine hohe Stimme und eigenwillige Art können anfangs durchaus anstrengend sein, doch dahinter entwickelt sich eine sympathische Figur, deren beinahe naiver Wunsch nach einem anderen Leben zunehmend an Bedeutung gewinnt.

    David Morse wiederum ist als Frank Nugent ein hervorragender Gegenspieler. Gerade weil er keinen überzeichneten Bösewicht spielt, sondern einen alten Kollegen Mosleys, bekommt der Konflikt zusätzliches Gewicht. Hier geht es nicht nur darum, Eddie lebend vor Gericht zu bringen, sondern um Loyalität, Korruption und die Möglichkeit, irgendwann doch noch die richtige Entscheidung zu treffen.

    Donner inszeniert das ohne große Spielereien. Die Straßen New Yorks wirken eng, überladen und hektisch, die Action bleibt übersichtlich und angenehm bodenständig. Nicht jede Wendung überrascht, und im letzten Drittel wird die Geschichte etwas sentimentaler, als es der starke Beginn erwarten lässt. Trotzdem funktioniert der Film, weil Donner seine Figuren nie vollständig der Action unterordnet.

    16 Blocks war Richard Donners letzter Kinofilm und ist rückblickend ein ziemlich passender Abschluss seiner Karriere. Kein großes Spektakel, sondern ein kleiner, schnörkelloser Polizeithriller mit einem hervorragend aufgelegten Bruce Willis.

    Und irgendwie ist 16 Blocks für mich auch der bessere Stirb langsam 4. Denn hier sehen wir den Bruce Willis, den ich mir ein Jahr später als gealterten John McClane gewünscht hätte: müde, angeschlagen und längst nicht mehr unverwundbar, aber im entscheidenden Moment noch einmal bereit, sich durchzubeißen. Statt Autos auf Hubschrauber zu schießen und Kampfjets von Autobahnbrücken auszuweichen, reichen Donner 16 Häuserblocks und ein kaputter Cop.

    Vielleicht kein großer Klassiker des Genres, aber ein verdammt guter und heute etwas vergessener Thriller.

    Regie: Richard Donner
    USA 2006