Eigentlich soll der ausgebrannte New Yorker Polizist Jack Mosley nur einen Gefangenen 16 Blocks weit zum Gerichtsgebäude bringen. Eine kurze Fahrt quer durch Manhattan. Doch Eddie Bunker soll dort gegen korrupte Polizisten aussagen – und plötzlich sind diese 16 Blocks verdammt weit.
Richard Donners 16 Blocks lebt von dieser angenehm einfachen Ausgangslage. Der Film verliert kaum Zeit und entwickelt daraus einen geradlinigen Großstadtthriller, der weniger an das zunehmend überladene Actionkino der 2000er erinnert als an Polizeifilme der 70er und 80er Jahre.
Bruce Willis spielt Jack Mosley dabei erfreulich weit entfernt vom klassischen Actionhelden. Übergewichtig, unrasiert, alkoholabhängig und körperlich am Ende schleppt er sich durch den Film. Willis muss hier nicht permanent cool sein. Mosley ist ein Mann, der längst aufgegeben hat und durch die Begegnung mit Eddie noch einmal gezwungen wird, eine Entscheidung darüber zu treffen, wer er eigentlich sein möchte.
Mos Def bildet als ständig redender Eddie den bewussten Gegenpol. Seine hohe Stimme und eigenwillige Art können anfangs durchaus anstrengend sein, doch dahinter entwickelt sich eine sympathische Figur, deren beinahe naiver Wunsch nach einem anderen Leben zunehmend an Bedeutung gewinnt.
David Morse wiederum ist als Frank Nugent ein hervorragender Gegenspieler. Gerade weil er keinen überzeichneten Bösewicht spielt, sondern einen alten Kollegen Mosleys, bekommt der Konflikt zusätzliches Gewicht. Hier geht es nicht nur darum, Eddie lebend vor Gericht zu bringen, sondern um Loyalität, Korruption und die Möglichkeit, irgendwann doch noch die richtige Entscheidung zu treffen.
Donner inszeniert das ohne große Spielereien. Die Straßen New Yorks wirken eng, überladen und hektisch, die Action bleibt übersichtlich und angenehm bodenständig. Nicht jede Wendung überrascht, und im letzten Drittel wird die Geschichte etwas sentimentaler, als es der starke Beginn erwarten lässt. Trotzdem funktioniert der Film, weil Donner seine Figuren nie vollständig der Action unterordnet.
16 Blocks war Richard Donners letzter Kinofilm und ist rückblickend ein ziemlich passender Abschluss seiner Karriere. Kein großes Spektakel, sondern ein kleiner, schnörkelloser Polizeithriller mit einem hervorragend aufgelegten Bruce Willis.
Und irgendwie ist 16 Blocks für mich auch der bessere Stirb langsam 4. Denn hier sehen wir den Bruce Willis, den ich mir ein Jahr später als gealterten John McClane gewünscht hätte: müde, angeschlagen und längst nicht mehr unverwundbar, aber im entscheidenden Moment noch einmal bereit, sich durchzubeißen. Statt Autos auf Hubschrauber zu schießen und Kampfjets von Autobahnbrücken auszuweichen, reichen Donner 16 Häuserblocks und ein kaputter Cop.
Vielleicht kein großer Klassiker des Genres, aber ein verdammt guter und heute etwas vergessener Thriller.
Regie: Richard Donner
USA 2006


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